Neuseeland - hoch zu Ross

Meine Reise zu den Sehnsuchtsinseln
 

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Way up north & bye bye Petra

So, wieder ist einige Zeit vergangen und ich hab viel zu berichten. Mittlerweile bin ich seit knapp 10 Wochen in Neuseeland. Glaub ich. Ich hab hier völlig das Zeitgefühl verloren…  Ende November, Anfang Dezember waren wir zwölf Tage im Norden an der Ostküste Neuseelands, genauer gesagt am Great Exhibition Bay, nördlich von Pukenui, die nächstgelegene „Stadt“, bestehend aus einem Kiosk, ein paar Häusern und einem Hafen. Die Hinfahrt dauerte neun Stunden mit einem Hänger, der für drei Pferde gebaut ist, wo allerdings vier drinnen waren, einem anderen Hänger voll mit „Fressalien“ und Betten für Melina und mich, inklusive Quad. Wir legten nur eine größere Pause für die Pferde ein und eine kleine, um schnell etwas zu Mittag zu holen. Oh, stimmt und einmal mussten wir tanken. War ziemlich knapp, wir hatten nämlich nur mehr Sprit für 17 km. Aber das nehmen die Neuseeländer relativ locker. Genauso wie die Wegbeschreibungen. „Turn left at the last garage“ …

 

Am späten Nachmittag kamen wir dann auf dieser riesigen Privatfarm an. Wie ich später erfuhr, war es eine Milch- und Fleischfarm mit über 900 Rindern und mehreren tausend Hektar Land. Wir brauchten eine weitere Stunde, um von der Straße (übrigens ist das die einzige Straße, die durch den Norden führt – viel mehr Verkehr ist dort trotzdem nicht) zum Strand zu gelangen. Ich kann nur eines sagen:  Die Stoßdämpfer müssen dort echt einiges aushalten, da sind unsere Schlaglöcher dagegen kleine Dellen… Also, mit vier Pferden, zwei Autos, vier Personen und jeder Menge Essen sind wir dann über diese Farm gefahren und kamen dann an unser Ziel.

 


 

Unser Campground war nur durch einen kleinen Zaun und den neuseeländischen Busch vom Meer getrennt, doch man konnte bereits von dort den weißen Sandstrand, die malerischen Dünen und das Meer sehen. Im ersten Moment, wenn man das so sieht, ist es einfach nur überwältigend. Die Pferde waren mittlerweile draußen, hatten eine riesen Koppel zur Verfügung, in mitten derer wir unser Lager aufgeschlagen hatten. Die Sonne ging bereits unter und alles, was du gehört hast, waren Vögel und das Meer. Und ab und zu galoppierende Hufe und ein freudiges Wiehern. Nichts anderes. Melina und ich sind dann natürlich sofort runter zum Strand, haben eine provisorische Sandburg gebaut und den Strand erkundet, bevor wir zurückgingen und uns zum Essen parat machten. Es ist aber nicht so, als hätten wir einen richtigen Weg zum Strand gehabt. Es gab zwei Holzbretter, die als Stufen über den Zaun angebracht worden waren und ansonsten musste man sich durch das Dickicht kämpfen. Dank Melina gab es ab dem zweiten Tag dann einen halbwegs begehbaren Weg, bei dem man nicht Gefahr lief, sich bei jedem Schritt die Beine zu brechen. Melina und ich hatten zwei echt gemütliche Betten in unserem Hänger, der mit Kühlschrank und Herd ausgestattet war – wir hatten also stets das ganze Essen in unserer Nähe!

 

Der erste Tag verlief ganz angenehm, endlich mal ausschlafen und danach am Strand reiten. Wir mussten allerdings feststellen, dass es da tausende von Zecken gab, die zum Glück nur auf die Pferde und nicht auf uns gingen. Am Nachmittag waren wir dann auch ohne Pferd im Meer, war auch super, nur wurde ich gleich mal von einer Qualle gestochen und von einem Krebs gezwickt. Naja, das gehört halt dazu. Für den Abend haben wir noch ein Loch gegraben, Holz mit dem Quad geholt und dann gab es Steak am Lagerfeuer. Keine Mücken, klarer Himmel und ein blutroter Mond, einfach eine wahnsinnig schöne Atmosphäre. Am nächsten Tag natürlich wieder am Strand, Muscheln gesucht, die Gegend erkundet, was uns eben gerade einfiel. Dadurch, dass man den Strand eigentlich nur über das Privatgrundstück betreten kann, waren wir die einzigen weit und breit. Keine Menschenseele war zu sehen. Herrlich! Wir mussten uns aber auch um unseren eigenen „Shitplace“ kümmern. Ein Klo gab´s da nämlich nicht. Am Anfang war das ja kein Problem, aber nach zwölf Tagen habe ich beim Anblick einer Toilette mit echter Spülung schon fast geweint.

 

Am dritten Tag wollten wir mit den Pferden ins Wasser. War auch echt toll. Die Wellen waren ungewöhnlich hoch und man merkte, dass die Pferde Spaß dran hatten. Wir mussten nur aufpassen, dass sie uns nicht auf die nackten Füße sprangen. Das war kein Problem. Nur als ich wieder aus dem Wasser kam, streikte meine Pumpe plötzlich und reagierte auf nichts mehr. Meine wasserfeste Insulinpumpe hatte also den Geist aufgegeben, als ich in den Wellen stand (und nicht einmal tauchte!). Nun gut, zum Glück hatte ich ja meine Ersatzpumpe dabei. Hatte ich nicht. Einen Tag vor Abreise packte ich meine Tasche nämlich noch einmal um und hatte sie wohl vergessen. Zum Glück hatte ich meinen Pen eingesteckt. Allerdings keine Nadeln… Ich saß also da, mitten im Nirgendwo mit einer nicht funktionierenden Pumpe und noch weiteren neun Tagen vor mir. Das nächste Spital war gut 300 km entfernt, mal abgesehen davon, dass die Versicherung das sowieso nicht bezahlt hätte. Aber ich wäre ja nicht ich selbst, wenn ich nicht einfach nur mit Schlauch und Kugelschreiber bewaffnet die Situation bewältigen könnte. Ich denke, jeder Arzt hätte wohl bei diesem Anblick einen Herzinfarkt bekommen. Ich hatte ja selbst keine Ahnung, wie viel ich mir eigentlich spritzte. Daumen mal pi sozusagen, aber hey, ich bin ja anpassungsfähig und zu meiner eigenen Überraschung funktionierte das ganz gut.

 


 

Einen Tag später wollten wir fischen gehen. Also packten wir unsere Angeln und sind die riesigen Felsen und Felswände hinaufgeklettert (mit Gummistiefeln!). Klein Stephanie muss da natürlich sofort mit und kaum waren wir an unserem Ziel, genau da muss es mir natürlich die Kniescheibe raushauen. Ich war also irgendwo dort oben, bin mit Müh und Not dort hingekommen und musste jetzt wieder runter. Mit einem kaputten Knie. Nun gut, kriechend bin ich wieder zurück, brauchte fünf Mal so lange als zuvor und war froh, endlich wieder ebenen Boden unter meinen Füßen zu spüren. Also rauf aufs Quad, mit dem wir zu den Felsen gefahren waren und wieder zurück zu unserem Campground. Alles doch recht einfach, wären da nicht diese blöden Dünen gewesen. Schneller als ich es überhaupt realisieren konnte, war ich also auch mit Vollgas vom Quad gefallen und das verdammte Ding genau auf meinen frisch verkrippelten Fuß drauf. Danach brauchte ich erst einmal was zu Essen.

 

Von da an dachte ich nur, dass jetzt echt nichts mehr passieren konnte. In den ersten vier Tagen hatte ich alles an Verletzungen und Vorfällen hinter mich gebracht, was überhaupt passieren konnte. Jetzt konnte gar nichts mehr schief gehen. Zwei Tage später saß ich sogar schon wieder am Pferd. Vier Stunden reiten mit zwischenzeitlicher Klopause – samt Pferd – um danach festzustellen, dass es ohne Steigbügel zwar leichter ist zu reiten, aber man nicht mehr aufs Pferd kommt. Oh ja, und übrigens, versuch mal als Frau mit einem kaputten Knie mitten in der Wildnis fürs kleine Geschäft in die Hocke zu gehen. Das war mal eine Aufgabe. Abgesehen davon musste ich jedes Mal über den Zaun klettern, um zu meinem Shitplace zu gelangen. Ich musste genau abschätzen, wann ich wirklich aufs Klo musste und immer eine halbe Stunde früher losgehen. Naja, so sah der ganze Urlaub aus. Ein Vorfall und eine blöde Situation nach der anderen, die das Ganze aber aufgelockert hatte. Und irgendwie nahm ich das schon mit Humor.

 


 

Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Strahlender Sonnenschein, keine einzige Wolke am Himmel, absolut perfekt. Wenn man eine Sonnencreme dabei hat, die für die neuseeländische Sonne geeignet ist. Meine war es definitiv nicht. Bereits nach den ersten zwei Tagen hatte ich den Sonnenbrand meines Lebens (ok, ich war in der Sonne eingeschlafen, dementsprechend sah auch mein Rücken aus. Zuerst nur rot, dann kamen die Bläschen und dann ging mir die Haut ab – trotz regelmäßigen Schmierens) Allerdings war ich auch so relativ rot geworden. Alles in allem war es allerdings ein unglaublich schöner Urlaub. Mit Melina war ich fast jeden Tag im Meer, einfach den Wellen entgegen geschwommen und sich treiben lassen. Oder am Strand eine Sandburg gebaut, jeden Tag Holz geholt, vor dem Lagerfeuer gesessen und die Pferde versorgt.

 

Das absolute Highlight war allerdings ein Abend ziemlich am Ende unseres Urlaubs. In Neuseeland kann man sowieso schon einen ganz anderen Sternenhimmel bewundern als in Europa. Es sieht aus, als würde es Sterne regnen. Fernab der Zivilisation und der Lichter der Städte kann man bei klarem Himmel tausende von Sternen erkennen. Und in dieser einen Nacht zog sich ein milchig-weißes Band über den Himmel, direkt über unsere Köpfe hinweg. Die Milchstraße in ihrer ganzen Schönheit. Ein Ausschnitt aus der Galaxie, in der wir leben, ein Blick in die Vergangenheit. Das Gefühl, das man bekommt, wenn man über sich einen Teil einer ganzen Galaxie sieht, so klar und unverkennbar, ist absolut überwältigend und versetzte mich in eine melancholische Stimmung.

 


 

 

Noch dazu wurde das Heimweh von Tag zu Tag doch immer größer. Bis dahin kannte ich ja sowas gar nicht. Obwohl unser Aufenthalt dort also wunderschön und unvergesslich war, konnte ich es nicht mehr abwarten, endlich nach Hause zu kommen und nach einer zehnstündigen Fahrt als aller erstes Mal Berni anzurufen (nachdem ich meine Ersatzpumpe angeschlossen habe&hellip Da kamen mir die ersten Zweifel, was meine Reise anging, habe ich doch alles, was ich brauche und je wollte, bereits daheim, 18.000 km weit weg…

 


 

Da traf es sich gut, dass ich kurz darauf mein Fresspaket aus Österreich bekommen hab, das leider viel zu schnell wieder weg war. Danke, Mama!!!

Und dann hab ich noch "Schatzis Schatzkiste" gemacht. Ein Spezial- Alles-in-einem-Menü von Berni 

 


 

Melina ging eine Woche später, allerdings haben wir uns vorher noch dazu entschlossen, mit ihr und ihrer Freundin im Februar einen Camper zu mieten und zu reisen. Nachdem sie weg war, bekam ich einen ungewöhnlichen Motivationsschub, war früher auf als eigentlich notwendig und fing da schon mit der Arbeit an. Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb es mit Petra dann so gut lief. Wir machten uns immer ein wenig über unsere Kunden lustig, so zum Beispiel die eine Familie aus Tokio, die zum einen echt anstrengend war und zum anderen haben alle immer geschrien, wenn jemand im Umkreis von 5 Metern Gefahr lief, in Pferdeäpfel zu treten. Man kann sich vorstellen, wie es da auf einer Farm zuging.

 

 


 

Mit Weihnachten kam auch wieder das große Heimweh. Wir suchten unseren Baum selbst aus, ein typisch neuseeländischer Baum natürlich und mit der Säge bewaffnet, durfte ich ihn auch gleich eigenständig fällen. Von Petra bekam ich einen Friseurbesuch geschenkt, da ich einige Zeit zuvor noch darüber geklagt hatte, dass die Sonne meine Haare komplett ausbleicht. Da war ich echt perplex, und natürlich dankbar. Für sie hab ich ein Armband aus Pferdehaaren gemacht mit einer Muschel als Anhänger, die ich zu einer Herzform geschliffen hatte. Ich war selbst überrascht über meine handwerklichen Fähigkeiten. Kurz vor Weihnachten kam Petras Sohn vorbei. Es war extrem merkwürdig, ganz besonders, weil er nur englisch spricht und sie mit ihm nun deutsch. Tja, und ich mitten drin und ich hatte absolut keine Ahnung, in welcher Sprache ich nun antworten sollte. Ich blieb während dieser zwei Tage deshalb vorübergehend wortkarg. Ich merkte allerdings, dass nicht nur Petra ein Alkoholproblem hat. Zu Weihnachten schenkten sie sich nämlich ausnahmslos Hochprozentiges. Da konnte ich mit dem geflochtenen Armband aus Pferdehaaren mit selbst geschliffenem Muschelanhänger natürlich nicht mithalten. Geschenke gab es schon am 24. Und am 25., dem eigentlichen Weihnachtsmorgen waren die „Weihnachtsgeschenke“ alle schon leer…

 


 

 

 



Auf jeden Fall gingen wir an besagtem Morgen mit den Pferden schwimmen. Das Wetter war herrlich, einfach wunderschön. Zu Mittag lud sich Petra fünf Minuten vor Beginn noch schnell zu Bekannten, die sie erst zweimal gesehen hatte, zum Essen ein. War auch ein wenig seltsam, aber zumindest war das Essen ganz gut. Um sechs abends beschlossen wir, einen Nachtritt zu machen, nachdem an dem Tag der erste Vollmond seit 1977 am 25. war.

 


 


 

Wir aßen am Hafen, wo sonst niemand war, zu Abend und die Aussicht war echt schön. Auf dem Rückweg gab es mal wieder ein riesen Tamtam. Wie auch immer, wir kamen um kurz nach Mitternacht nach Hause und obwohl wir am nächsten Tag keinen Ritt hatten, musste ich aus mir unbekannten Gründen wieder um sechs Uhr aufstehen. Das schönste an Weihnachten war aber das gemeinsame Fest mit meinem Freund. Es gab sogar ein Weihnachtsfoto mit mir via Skype (mein momentaner Bildschirmschoner). Und weil ich ohnehin schon nahe am Wasser gebaut bin, es Weihnachten und ich nicht zu Hause war, heulte ich dabei natürlich wie ein Schlosshund.

 


 

Ein Tag nach Weihnachten hatten wir mal wieder so eine riesige, sinnlose Diskussion darüber, wie nutzlos und unfähig ich doch bin und dass man mich nie respektieren wird, weil ich meine Brille nicht putze bla bla bla, dass ich dann einfach gegangen bin und meine Koffer gepackt hab. Danach kam sie an und sagte, sie hätte die Hoffnung mit mir noch nicht aufgegeben usw. Ich nahm an, sie hatte zu viele Ritte, um es in nächster Zeit alleine zu schaffen – so war es dann auch… Nichtsdestotrotz blieb ich trotzdem. Blieb mir auch nichts anderes über. Wo sollte ich denn schon für einen ganzen Monat hin? Naja, lange war ich ja nicht mehr dort, das halte ich auch noch aus… Silvester war hingegen echt ereignislos. Ich hab mit Berni geskypt. In meinem Zimmer. Mit zugezogenen Vorhängen. Ich hätte aber eh nicht viel gesehen. Zwei Raketen über Raglan, irgendwann weit nach Mitternacht…

 

Eines Morgens sollte ich eines der Pferde mit Sonnencreme einreiben, wie jeden Tag. Nur diesmal – keine Ahnung, warum – ging dieses Mistvieh von Leberkäse total auf mich los, biss mir in den Kopf, rammte mich zu Boden, schlug nach mir und stieg die ganze Zeit. Das ging zweimal so, dann war ich mit den Nerven fertig. Und auf diesem Tier reiten 5-jährige Kinder! Schon zuvor ist Holly (alias Leberkäse) aggressiver auch beim Reiten geworden. Sie hat immer wieder die Reiter in den Fuß gebissen oder ausgeschlagen, das lag natürlich immer nur am Reiter, und mich in die Schulter gebissen, wenn ich nur neben ihr stand. Ich hatte also, und das muss ich zu meiner Schande gestehen, eine Zeit lang nicht nur Angst vor ihr, sondern allgemein Angst vor Pferden. Ich bekam echt Panik, wenn ich einem von ihnen näher gekommen bin. Zum Glück hielt diese Phase nicht lange an. Holly ist mir aber dennoch bis heute nicht geheuer… Das war der Zeitpunkt, an dem die Stimmung zwischen Petra und mir auch wieder umschlug und plötzlich war ich wieder das faule, egoistische Mädchen aus Österreich, das nichts auf die Reihe bringt. Allerdings nehme ich das nicht ernst. Kann ich auch nicht von jemandem, der mir über Sauberkeit und Ordnung eine Predigt hält und gleichzeitig in seinem Kühlschrank, Dreck, Haare und tote Fliegen hat, die übrigens auch im Essen sind, und bei dem ich nach dem Duschen dreckiger bin, als zuvor. Ich nehme an, der Alkoholvorrat war leer. Nach unserem 12-tägigen Ausflug hat sie nämlich 28 Liter Wein versoffen und zwei Kisten á 28 0,5L Dosen Bier. Und zu Hause ist es nicht besser. Da steht das erste Bier schon am Frühstückstisch.

 

Irgendwann, von einem Tag auf den anderen schlug das Wetter um und seitdem ist es nur mehr heiß. Noch dazu hatten die Ferien begonnen, das heißt, wir sind völlig ausgebucht. Meist sind wir um sieben schon außer Haus und kommen erst um sieben, halb acht wieder Heim. Abendessen gibt es sowieso nur ganz selten vor zehn. Das Frühstück (meist zwei Stücke Weißbrot mit Käse und Marmelade, Wurst gibt’s hier nämlich nicht) wird im Auto auf dem Weg zum Strand gegessen, das Mittagessen besteht aus Fertignudeln, die seit dem Morgen im Wasser in einer Tupperschüssel liegen und zum Abendessen gibt es entweder Steak - aus der Mikrowelle und mit so viel Pfeffer, dass man es nicht essen kann - oder extrem fettige Würstel. Oder Fisch. Jedes Mal, wenn Von, Petras Mitbewohner, fischen war, gibt es tagelang Fisch. Er kocht ihn echt gut, aber nach dem dritten Tag hast du auch davon genug.

 

Da in unseren Hänger nur vier Pferde passen, wir aber manchmal fünf oder sechs Leute haben, oder Petra entschließt, auch reiten zu wollen, müssen wir manchmal zweimal fahren und ich darf im Regen auf die Pferde aufpassen. Naja, was soll´s. Zumindest werde ich hier echt fit. Der Strand ist ca 5 km lang. Hin und zurück also 10km. Und das 3-4 Mal am Tag gibt eine gute Kondition. Das ist womöglich auch der Grund, weshalb ich am Abend beim Skypen nun schon zum dritten Mal in Folge einfach einschlafe. Komischerweise habe ich auch wieder ständig Kopfschmerzen. Vielleicht schlafe ich doch zu wenig. Naja, und zwischenzeitlich habe ich mir mit der Brotmaschine den halben Finger abgetrennt und mit dem Käsemesser die Haut an meiner Hand abgeschabt.

 

In Raglan hab ich mir ein Tattoo machen lassen. Ist auch echt schön. Allerdings hatte ich nur einen Tag später einen Unfall, wieder mal mit diesem Miestvieh Holly, und das Metalldingens am Strick schnalzte in mein Handgelenk, was zur Folge hatte, dass die Linien verschwammen und jetzt teilweise weg sind, mal abgesehen davon, dass ich mir das Handgelenk geprellt hab.

 

Petra hab ich mittlerweile gesagt, dass ich nur noch bis Ende Januar bleibe. Also nur mehr 19 Tage! Zu meiner Überraschung lief dieses Geständnis ganz positiv ab. Auf jeden Fall geht mein Flieger nach Australien am 28.1. und am 3.2. geht die große Reise los. Vor ein paar Tagen war ich in Rotorua, dem kulturellen Zentrum Neuseelands, da Petra für einige Tage weg war und ich so Zeit hatte, was vom Land zu sehen. In dieser kleinen Stadt gibt es Schwefelseen, Geysire, Vulkanlandschaft und vieles mehr. Man riecht es aber auch. Der Schwefelgestank erinnert stark an faule Eier und ist überall in der ganzen Stadt zu riechen. Wenn man hier pupst, bemerkt es echt niemand. Ich liebe Rotorua!!!

 


 

Am zweiten Tag ging es ins Maori-Dorf mit Haka und Hangi. (Haka – Kriegstanz, Hangi – traditionell gekochtes Maori-Essen), danach zu den Vulkan- und Schwefellandschaften. Ich wollte noch das Wildwasser Rafting machen, aber dazu blieb leider keine Zeit mehr. Das muss ich woanders nachholen.  Dann war Wai-O-Tapu dran, eine Schwefelseelandschaft, die zu den 20 surrealsten Orten der Welt gehört. Von dort aus nahm mich unser Busfahrer noch auf einen Ausflug zu den Hotsprings mit, wunderschöne, natürlich Heißwasserquellen mit Wasserfall.

Einen Tag später besuchte ich Agroventures, um im Windkanal den Freefall zu machen. Endlich hatte ich meinen Bus gefunden – war witzig, weil ich keine Ahnung hatte, wo ich aussteigen muss, also wollte ich als letzte mit einer alten Dame aussteigen, die mich fragen wollte, ob ich bei Agroventures aussteigen will. Auf mein Nicken, kam ein militärisches, aber lieb gemeintes „Stay in the bus!“-  die nächste Busstation war knapp  6 km entfernt. Und jetzt warne ich alle, die mich kennen, vor. Ich hab mir nämlich tatsächlich und ganz ernst gedacht: 6 km? Das geh ich doch zu Fuß! Keine Ahnung, was mit mir los ist. Ich bin echt fit hier geworden. Also im Gegensatz zu vorher… Also, ich kam dort endlich an, nachdem ich ca 4 km über eine Autobahn gegangen bin, weil es da ja keine Wege gibt. Aber es hat sich ausgezahlt. Der Freefall war echt genial! Das Video hab ich eh schon auf Facebook gestellt. Allerdings hab ich nachher gesabbert, wie unser Hund nach dem Saufen. Ich hoffe, das sieht man auf dem Foto nicht!!

 


 

Von dort brachte mich ein Shuttle nach Rainbow Springs, einem kleinen Zoo, hauptsächlich mit Vögeln und Reptilen und natürlich den nationalen Kiwis. Ich machte die Extra-Tour, bei der ich sogar einen Kiwi schlüpfen sehen konnte. Im Hostel selbst war bis dahin nur komische Leute untergebracht (Deutsche eben&hellip. Nach einem freundlichen „Hi“ meinerseits kam nur ein herablassender Blick und dann kein einziges Wort mehr. Kurz vor meiner Abreise wurde das Zimmer neu besetzt. Mit einem Typen aus Fürstenfeld! Und gleich darauf kam jemand aus Innsbruck. Bis dahin hatte ich nicht einen Österreicher hier in Neuseeland getroffen. Ein Kanadier kam auch noch dazu. Er war zwar echt nett, aber redete ununterbrochen. Als letzte bezog noch eine deutsche Pfarrerin / Priesterin das Zimmer, um mir als aller erstes zu sagen, dass sie Kiwis so lustig fände, weil ihr Schnabel wie ein Penis aussieht und mir dann von ihrer Affäre zu erzählen. Ich fand sie echt cool! 20 Minuten nach unserem ersten „Hallo“ machten wir uns bereits zusammen auf den Weg ins Polynesian Spa und saßen im heißen Wasser mit Blick Richtung Meer und betrachteten den Sonnenuntergang – echt ein unglaubliche Gefühl. Irgendwann drehte sich dann jemand zu uns um und begann einfach so mit uns zu reden und mir Geheimtipps fürs Reisen zu geben. In Österreich etwas Unvorstellbares. 

 

Alles in allem ließ ich über 400 Euro in Rotorua. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich so ziemlich alle Mitbringsel besorgt habe. Dort gibt es echt mindestens 20 Giftshops und ich schwöre, ich war jeden Tag dort drinnen. Manchmal bis zu 7 Mal in einem, um ja das Richtige für jeden zu finden! Noch dazu hab ich dort den besten Burger überhaupt gegessen mit Schinken, Speck, Ei, Steak, Salat, Ananas und Zwiebeln. Ich konnte nicht genug davon bekommen. Mal abgesehen davon habe ich mich jeden Tag von Fruchtsaft und Schokomilch ernährt. Eine Wohltat für meinen ganzen Körper! Es fühlte sich an, als wäre ich auf Entzug gewesen.

 


 

Auf meinem Heimweg musste ich wieder mit dem Bus fahren. Problem war nur, dass ich wieder einmal keine Ahnung hatte, wo die Station war. Ich stieg also irgendwo aus. Ich hatte mich ein wenig verschätzt. Der Bus hätte um 18:50 da sein sollen. Es war 18:18… Aso machte ich mich 25kg Gepäck auf dem Rücken auf den Weg nach Hause. Nicht lustig, denn gerade Straßen gibt es hier kaum. Irgendwann nach einer Ewigkeit hielt ein junger Mann aus Gisborne an und fragte mich, ob er mich mitnehmen soll. Ich war unendlich dankbar, denn ich war echt kaputt und noch dazu wurde es bald finster. Er nahm mich also mit. Das Problem war nur, dass bereits nach 200 Metern die Einfahrt zur Farm war… Mir war es extrem peinlich, aber er (weiß nicht mal mehr seinen Namen) nahm das ganz locker und fuhr mich sogar die Einfahrt hoch (1km lang – nur steil bergauf!) Gott soll ihm gnädig sein!

 

Vor ein paar Tagen waren wir mit drei anderen und vier Pferden schwimmen. Wir hatten also ein Pferd zu wenig. Aber das machte nichts. Petra und ich saßen einfach zu zweit auf einem Pferd oder ich hing mich hinten an den Schweif, während sie durch Wasser trabte. Es war echt herrlich. Ich hatte nur keine Ahnung, dass es so enden würde, hatte also keine Schwimmsachen mit. Also halt mal gleich so mit allen Kleidern rein ins Wasser. Am Schluss stoppte Petra nur zu schnell, ich krachte hinten ins Pferd und bekam einen Huftritt ab. Nein, mir ist nichts passiert. Nur eine aufgeplatzte Lippen trage ich jetzt als Kriegswunde.

 

Alles in allem bin ich froh, woanders zu sein, überhaupt weil Petra sich  angewöhnt hatte, das Internet abzuschalten. Immer in der Früh und am Abend. Genau zu den Zeiten, in denen ich skypen könnte. Und das ohne irgendeinen Grund oder eine Erklärung. Sie war auch nicht irgendwie unfreundlich zu mir – nicht mehr als sonst. Ich war kurz davor, ihr echt eine reinzuhauen, wenn sie wieder sagte, dass ich zu wenig arbeite und faul bin bzw nur schlafe. Ich arbeitete von halb sieben morgens bis meistens neun/zehn Uhr. Abendessen gab es sowieso erst um halb elf und selbst das fiel gegen Ende hin aus. Kein Internet, kein Essen, Beschimpfungen, dreckiges Haus  und trotzdem arbeitette ich den ganzen Tag. Mal ganz abgesehen davon, dass ich knapp drei Monaten in derselben Bettwäsche schlafen musste, weil es nur die gibt und ich damit auskommen musste… 

 

Jetzt war ich erst am Sortieren, was ich hier lasse und was ich mitnehmen kann, weil ich ja nur 20 kg für Inlandsflüge haben darf. Da meinte sie, mein Zimmer wäre nicht aufgeräumt und hat alle meine Sachen auf den in sich zusammenfallenden, extrem dreckigen Schrankboden geworfen. Einige meiner Sachen hab ich dann auch noch bei ihr im Zimmer gefunden, als ich die Wäsche gemacht habe. Und dann hat sie meine Insulinpumpe, nachdem ich sie nach dem Schwimmen abgenommen und ins Auto gelegt habe, einfach über den Zaun in der Einfahrt gehängt (natürlich ohne mir etwas davon zu sagen). Dort hing sie dann fast zwei ganze Tage. Hätte mich ihr Mitbewohner nicht zufällig drauf aufmerksam gemacht, hätte ich sie vermutlich immer noch nicht. Aber das wäre kein Problem gewesen. Ich hätte ihr einfach den Preis genannt bzw. gesagt, dass sie spätestens am nächsten Tag mindestens ein totes Pferd hat, wenn es darauf herumkaut…

 

Egal, irgendwann hab ich diese infantilen Machspielchen satt gehabt und bin gegangen. Zum Glück ist Von (Petras Mitbewohner) ein ganz lieber und ich konnte meinen Koffer bei ihm lassen. Auf jeden Fall bin ich jetzt in einem Hostel in Raglan bis Dienstag. Das hab ich mit 2 Liter Schokomilch und 3 Liter Fruchtsaft inklusive ein paar Kilo Obst gefeiert. Danach war mir so schlecht, dass ich mich nicht einmal bewegen konnte. Wie auch immer, heute habe ich zum ersten Mal ein richtiges Frühstück gegessen, das heißt, nicht nur Käsebrot, und zu Mittag Baked Beans mit einem Hühner Cordon Bleu. Ein wahres Gala-Essen für mich. Zusätzlich dazu hab ich noch genug von allem übrig. Inklusive Tomatensuppe, die ich heute Abend ausgiebig genießen werde. Nichtsdestotrotz habe ich auch ein paar Sachen gelernt...

 


 


 


 

Zwischendurch gab es sicher erzählenswerte Dinge, doch ich fürchte, ich habe das meiste verdrängt. Aber das macht nichts, denn das Wichtigste und Beste kommt erst noch. Nächste Woche geht’s los Richtung Auckland. Am 25. hab ich schon einen ganz besonderen Ausflug gebucht. Shark Diving. Darauf bin ich echt gespannt. Allerdings verlangen die eine ärztliche Bestätigung. Mal schauen, wo ich die herkriege. Ich werde es in Auckland wahrscheinlich zuerst mit Couchsurfing versuchen, sind ja nur ein paar Tage und schlimmer als es bis jetzt war kann es unmöglich werden. Und danach geht mein Abenteuer los. Zuerst Sydney (ab 28. für fünf Tage) und dann vier Wochen lang auf der Südinsel, ohne Stress, ohne Pferde, ohne Druck, einfach frei sein und mit dem Camper das Land erkunden. Ich freue mich schon riesig drauf. Und natürlich freue ich mich noch mehr, wenn ich endlich nach Hause komme. Der Flug ist bereits gebucht, Dank meinem Schatz, der auf mein Anliegen hin sofort im Reisebüro war. Am 6.3. komme ich zurück, leider wieder über Taipei, doch Hauptsache Heim…

 

 

17.1.16 08:34

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Bernhard (17.1.16 08:18)
Lieber Schatz, kannte zwar schon die Abenteuer die du beschrieben hast aber ich fand es wirklich wieder sehr schön dein bildhaftes schreiben zu verfolgen. Ein guter Text braucht eben Komödie und Drama und durch die Erlebnisse hat er es Ich bin froh das es dir gut geht und ich liebe dich mein Schatz ❤


mama (17.1.16 10:19)
Na gottseidank habe ich nicht alles gleich erfahren. Sonst wär ich jetzt komplett ergraut und hätte 17000 Magengeschwüre. Wie immer hast du nichts ausgelassen


Oma (17.1.16 13:55)
dem Himmel sei Dank, dass wir erst jetzt von deinen div. Abenteuern erfahren, es wäre sonst leicht möglich gewesen, in den nächsten Flieger zu steigen und dich dort raus zu holen, ich könnte diese Kuh noch nachträglich erwürgen. Aber du bist und bleibst ein Stehaufmännchen und wir werden alle froh sein, dich nach deinem etwas längeren Ausflug wieder bei uns zu Hause zu haben - auch wenn du unsere Nerven strapazierst. Noch einen wunderschönen Trip


Peter (21.2.16 10:33)
Liebe Stephanie, wieder einmal eine großartige Schilderung, bildhaft und mit Witz geschrieben. Großartig ! Schön, dass du Petra hinter dir gelassen hast und Neuseeland jetzt von der schöneren Seite siehst. Ich freue mich auf unser Wiedersehen.

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