Neuseeland - hoch zu Ross

Meine Reise zu den Sehnsuchtsinseln
 

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Ankunft in Raglan

Fotos vom letzten Eintrag müssten mittlerweile online sein.

 

Um 10 Uhr morgens musste ich also auschecken, war um sieben jedoch schon munter. Gleiches Spiel wie vorhin. Alle schliefen, ich musste auf. Nachdem ich mir beim Hinunterspringen alle zehn Zehen gebrochen hatte, machte ich mich fertig und besorgte SIM Karte und Bus Tickets nach Hamilton. Mit den anderen zwei Mitbewohnern unterhielt ich mich danach noch sehr gut, natürlich auf Englisch, bis ich herausfand, dass beide aus Deutschland kommen. Nach zehn Monaten in Neuseeland haben sie wohl ihre Mentalität schon irgendwie mitgenommen, denn bevor ich ging, schenkten sie mir noch ihren Lonely Planet.

Mit dem Taxi fuhr ich weiter zur Busstation, wo ich wieder einmal warten konnte. Ich hatte extra einen früheren Bus gebucht, obwohl ich bereits ein Ticket hatte, weil angeblich der nächste Bus von Hamilton nach Raglan schon um 3pm ging. Ein großer Stockbus brachte dann alle Passagiere – drei an der Zahl - nach Hamilton ins Transport Center. Dort angekommen gab es wieder mal Probleme mit dem Bus. Der ging nämlich nicht, wie man mir versprochen hatte, um drei, sondern um halb sechs. Ich musste also wieder warten. Vier Stunden. Als würde ich die letzte Zeit nicht eh schon nur mit Warten verbringen. Aber zumindest konnte ich ganz interessante Leute beobachten. Eine junge Frau zum Beispiel, die ein wenig mehr Speck um die Hüften hatte, dafür umso weniger Stoff am Körper, dazu weiße High-Heels, mit denen sie überhaupt nicht gehen konnte und einer Polizeimütze am Kopf. Ich versuchte bei dem Busunternehmen anzurufen, allerdings hob da niemand ab. Man stelle sich nun eine typische Touristin in Winterkleidung vor, während andere mit Sonnenhut und Flip-Flops umherliefen, verschlafen und verirrt dreinblickend zusammen mit zwei großen Koffern und zwei unnötig riesigen Taschen, die einsam und verlassen ganze vier Stunden am selben Platz hockt und nicht einmal aufs Klo geht, weil sie nicht weiß, was sie mit den Taschen machen soll. Irgendwann hab ich noch einmal angerufen, diesmal mit Erfolg. Ich musste nur meinen Namen sagen (komischerweise verlangte bis jetzt noch niemand meinen Nachnamen!) und wo ich abzuholen bin. Allerdings ist das Transport Center relativ groß, also hockte ich mich einfach irgendwo hin und hoffte inständig, dass der Bus auch hier stehen blieb. Keine zehn Minuten später (obwohl er erst in einer halben Stunde ankommen sollte) war er da.

Da kam s ein junger Mann mit Strohhut in einem alten, verrosteten Van angefahren. Ich dachte schon, er würde sich als Fahrer ausgeben und mich kidnappen, denn so eine alte Kiste beschäftigt sicher kein seriöses Unternehmen. Andererseits müsste dieser Kidnapper dann auch wirklich sehr blöd und seine Tarnung nicht wirklich gut überdacht haben. Auf jeden Fall halfen er und ein anderer, älterer Mann mir mit dem Gepäck. Später fand ich heraus, dass der ältere Herr kein Angestellter, sondern selbst Passagier war. Wir fuhren schließlich an die Seite und warteten, immerhin waren wir eine halbe Stunde zu früh dran. Die zwei Männer unterhielten sich, während ich meiner Gastmutter schrieb, wann ich ungefähr da sein würde. Und dann hörte ich plötzlich ein Schnarchen. Ja, genau, der Fahrer war eingeschlafen, während der andere noch seelenruhig weitersprach. Zuerst dachte ich, er scherzt, allerdings war der Fahrer wirklich eingeschlafen. Irgendwann wachte er wieder auf, sah auf die Uhr und meinte, jetzt könne er losfahren. Sein anderer Passagier merkte übrigens nichts von dem Schläfchen. Zu dritt ging es Richtung Te Uku, ein Dorf, bestehend aus drei Häusern, vor Raglan.

Ich merkte nun, dass alle Neuseeländer so locker in den Tag lebten und ganz entspannt und freundlich waren. Ohne Umschweife erzählte mir der Fahrer ich glaub, er hieß Jim, dass er am liebsten ein Hund sein würde. Er liebte es nämlich in der Sonne zu schlafen und wenn man ihm den Bauch krault. Vielleicht kennt jemand noch aus seiner Kindheit das Spiel mit den gelben und weißen Autos, bei dem man den anderen Spielern in die Seite boxen durfte, wenn man eben jene Autos zuerst erkannte. Nun, ich bekam gesagt, dass Neuseeländer das irrsinnig gern mit Schafen machten. Ich hatte auf der Strecke von Hamilton nach Te Uku bereits mehr Schafe gesehen, als sonst bis jetzt in meinem Leben. Vielleicht liegt es daran, dass vor jedem Haus mindestens 20 stehen. Sie sind hier genauso beliebt wie Katzen und Hunde. Außerdem hält man hier nicht viel von Zäunen. Die Kälber stehen meist direkt neben der Straße oder vor einem kleinen Vulkan, ohne irgendeine Abgrenzung oder Sicherung. Braucht man auch nicht. Steht eine Kuh auf der Straße, wartet man eben so lange, bis sie sich dazu erhebt, weiterzugehen. Allerdings kommt das nicht oft vor, denn der „motorway“ ist vergleichbar mit der Pinkafelder Hauptstraße an einem Sonntag…

Die Neuseeländer sind hier auch sehr flexibel. Der Fahrer bot mir gleich an, mich direkt zu meinem Ziel, anstatt zur nächsten Bushaltestelle zu bringen, während mir der andere Passagier von seinem Job als IT-Techniker erzählte und meinte, dass er immer nur fragte, ob die Kunden es nicht schon probiert hätten, ihr Handy an und auszuschalten. Mit einem Lächeln erklärte er, dass sich damit fast jedes Kundengespräch erledigen würde.

Auf jeden Fall, ich komme also bei der Farm an, werde erst einmal mit einer herzlichen Umarmung begrüßt und sehe dann knallgrüne Hügel, Weiden so weit das Auge reicht und natürlich jede Menge Schafe. Auf einem der höheren Hügel liegt das kleine Haus. Daran ist nichts Modernes, kein Betonbunker inmitten der Natur. Es ist ein schiefes Irgendwas, aus allem, was man eben so gefunden hat. Mit Terrasse, Kräuter- und Gemüsegarten und allem Drum und Dran. Und das Beste ist die Aussicht. Von hier aus kann man direkt auf den Raglan-Harbour und die umliegenden, wirklich riesigen Weideflächen sehen. Allerdings war die Sicht etwas begrenzt, weil ich erst gegen Abend ankam. Nach dem (sehr guten) Abendessen ging ich ins Bett und war tot. Die letzten Tage, so amüsant sie auch gewesen sein mochten, war die Hölle gewesen. Also entweder bleibe ich hier oder ich fahre mit dem Schiff zurück…

 

 

4.11.15 06:53

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Peter (4.11.15 07:18)
Wow, anhand dieser Fotos lässt sich schon ein bisschen die Weite und Schönheit des Landes erahnen. Du bist im Auenland!


Bernhard (4.11.15 08:08)
Sehr schöne Aussicht Schatz und interessante Darstellung der neuseeländischen Mentalität freu mich für dich. ❤

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