Neuseeland - hoch zu Ross

Meine Reise zu den Sehnsuchtsinseln
 

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Kia Ora in Aotearoa

Puh, also in der Zwischenzeit hat sich einiges getan und ich hab viel zu erzählen. In Taipei hatte ich endlich meine Wohlfühloase gefunden. Strandliegen mit Steckdosen und WLAN, dazu ein paar Massagestände, was zu Essen in der Nähe und natürlich Klo und Duschen. Allerdings kann das alles nach 17 Stunden trotzdem sehr nervenaufreibend sein, zumal an Schlaf nicht zu denken war. Ich musste ja irgendwie auf mein Gepäck aufpassen. Zuerst gönnte ich mir eine Massage. Mal etwas entspannendes, nachdem sie mein Nacken nach dem ganzen Schleppen wie ein Stahlbrocken anfühlte. Tja, nur hatte ich nicht bedacht, dass das eine echte chinesische Massage sein würde. Mit Ellbogen und ganzem Körpereinsatz seitens der Masseurin. Danach war ich völlig fertig und mir tat alles weh. Ein paar Stunden später fühlte ich mich jedoch super entspannt, wenn man außer Acht lässt, dass ich eine Ewigkeit in der Embryonalstellung auf einer Strandliege verbracht hatte und das ziemlich auf den Rücken ging. Außerdem kam ich mir jedes Mal blöd vor, wenn ich zu einem der Stände ging und ein einziges Getränk mit der Kreditkarte bezahlte. Ein kleiner Tipp am Rande: bestellt euch niemals einen „frisch gepressten Orangensaft“ in Taipei. Ich habe noch nie in meinem Leben etwas getrunken, das weniger nach Orange geschmeckt hat…

 

Fast drei Stunden vor Abflug machte ich mich auf zum Gate, das, einmal gewusst, wo ich nachzusehen hatte, überraschend einfach zu finden war. Ich musste lachen, als ich den Warteraum sah, der komplett in Grün gehalten war und den man eingerichtet hatte, wie das Klettergehege der Affen in Schönbrunn, nur das eine riesige Stoffkatze, ein Bär und ein Hirsch dort standen. Eigentlich eine nette Idee. Und wieder wartete ich. Diesmal zum Glück nicht allzu lange. Kaum überraschend, dass ich einer der ersten beim Boarding war.


Die Passagiere waren nun nicht mehr so eintönig wie zu vor. Immer noch viel Shing-Shung, aber auch ein paar Deutsche und Amerikaner. Und eine Russin, die später im Flieger für einiges an Aufsehen sorgen würde. Zumindest hatte ich meinen begehrten fensternahen Gangplatz bekommen, was im Prinzip eh zu nichts war, weil die Fenster gleich noch vor Abflug geschlossen wurden.  Nun gut, das war ich ja mittlerweile gewohnt. Allerdings flogen wir diesmal mit einer anderen Maschine, die ein bisschen moderner war. Ich brauchte ganze fünf Stunden, bis ich die Anschlüsse für das Headset gefunden hatte. Wie man den Sitz verstellen kann, weiß ich bis jetzt noch nicht.

Auf jeden Fall rollten wir noch am Boden in die richtige Startposition, als plötzlich etwas quietschte und es danach klang, als wäre das Fahrgestell plötzlich zusammengebrochen. Es ruckelte und krachte immer wieder und ich saß mehr und mehr verkrampft in meinem Sitz, während sich die anderen  Passagere bereits in die aufliegende New York Times vertieft hatten oder schon längst schliefen. War ich die einzige, die etwas beunruhigt war? Als eine Durchsage ertönte, dachte ich schon, wir müssten aussteigen. Allerdings bekam ich es dann doch mit der Angst zu tun, als ich die Worte „ready“ und „take off“ vernahm. Da rutschte mir doch glatt ein nicht leises „Sad´s eich sicher?“ über die Lippen, genau in dem Moment, in dem es totenstill war. Die Stewardessen sahen mich ganz verwundert an und fragten, ob ich etwas benötigte. Nur das deutsche Pärchen ein paar Reihen vor mir, dürften mich verstanden haben. Während das Flugzeug schließlich beschleunigte, wartete ich nur darauf, dass irgendetwas passieren würde. Zum Glück schafften wir es ohne Probleme in die Luft, doch gerade als ich dabei war, mich ein wenig zu entspannen, gerieten wir nur Sekunden nach dem Start in ein Luftloch, was das ganze Flugzeug kurzzeitig durchrüttelte und das Personal auf Trab hielt. Danach war an Schlaf definitiv nicht mehr zu denken. Ich starrte also ins Leere, mittlerweile beherrsche ich das ganz gut, bis ich wieder einmal kurz davor war, einzuschlafen, als über mir angezeigt wurde, dass man sich nun anschnallen sollte. Das ging den ganzen Flug über so. Kaum war ich eingeschlafen, gerieten wir in Turbulenzen.

Um auf die ominöse Russin zurückzukommen: Ich hatte sie bereits beobachtet, als sie aufs WC ging, mit einer Hotpants und einem T-Shirt, unter dem man am besten BH und noch ein Oberteil trug. Sie hatte auf beides verzichtet. Allerdings ahnte ja niemand, dass sie sich irgendwann dazu entschloss, sich etwas anderes anzuziehen und sich dabei mitten am Gang zu entblößen. Ich dachte, ich seh nicht richtig, als sie sich seelenruhig umzog und sich von nichts stören ließ. Zum Glück erklärte ihr die Stewardess, dass das so nicht üblich sei und sie das doch bitte am WC erledigen soll. So etwas hatte ich wohl auch nicht erlebt. Aber es war amüsant, zu beobachten, wie die halb nackte Russin, die offensichtlich kein Wort Englisch oder gar chinesisch verstand, wild gestikulierend zu diskutieren begann.

Zum eigentlichen Flug zurück. Es war nicht ganz voll, weshalb einige den Vorteil hatten, drei oder vier Sitze für sich beanspruchen und ein Nickerchen halten zu können. Bei dem Mann neben mir befürchtete ich schon, dass man ihn im Leichenwagen aus dem Flugzeug bringen musste, denn bis auf die Mahlzeiten schlief er die ganzen 13 Stunden durch und bewegte sich kein Stück. 

Apropos: Das Essen war echt gut. Zweimal Obstsalat erwischt! Gut, vielleicht hatte ich ihn beim zweiten Mal einfach verlangt, aber er war wirklich gut. Nur brachte ich nicht viel hinunter. Ich denke, das lag an der Aufregung. Zu einer Mahlzeit gab es als Nachspeise Nuss-Irgendwas mit Reiswaffel-Keine-Ahnung-Was. Nach reiflicher Überlegung, ob es nun grauenvoll und völlig ungenießbar war oder es grenzgenial schmeckte, entschied ich mich für Letzteres.

Endlich kamen wir in „Sinni“, die chinesische Version von „Sydney“, an. Wir hatten weniger als eine Stunde Zeit, um den Flieger zu verlassen, ans andere Ende des Flughafens zu rennen, von irgendwo eine Transit-Boardcard zu holen, wieder zurückzulaufen, durch die australische (!) Gepäckskontrolle zu kommen und das richtige Gate zu finden. Durch geheimste Spionagetätigkeiten fand ich jemanden, der ebenfalls nach Auckland umsteigen musste und wich ihm nicht mehr von der Seite. Allerdings wurde ich am Klo abgehängt. Von allein fand ich zum Glück den Security Check und warf vorher noch alles weg, was irgendwie verdächtig war. Leider war ich nur so nervös, dass es aussah, als würde ich ein Attentat planen, was wahrscheinlich auch der Grund war, weshalb ich extra noch einmal durchsucht wurde. Vor lauter Nervosität gab ich Sachen von mir wie „There are needles drin!“ und „Why immer I?“ Natürlich haben sie bei mir nichts gefunden, allerdings dauerte die ganze Prozedur. Ich hatte nur noch zehn Minuten und keine Ahnung, wo mein Gate war. Ich erklärte dort also, dass mein Flieger auf keinen Fall ohne mich starten durfte. Hätte ich den Flug verpasst, hätte ich dort alle vermutlich in die Luft gesprengt. Letzteres sprach ich klugerweise nicht laut aus.

Mit Verspätung und völlig durchgeschwitzt vom Rennen kam ich am richtigen Gate an, wo noch alle Passagiere geduldig warteten. Ich stellte mich dazu, zunehmend nervös. Ich dachte schon, ich hätte den Flug wirklich verpasst und wartete nur darauf, dass mein Name aus den Lautsprechern ertönte. Letztendlich hatten wir nur eine Stunde Verspätung. Ich vermutete ja, dass da wirklich etwas zu Bruch ging am Flieger und die Reparatur so lange dauerte.  Aber zumindest hatte ich das Vergnügen, eine asiatische Frau in den 50er kennen zu lernen, die sich als weiße Rap-Oma ausgab…

Mein neuer Sitznachbar, Jerome, war ein richtiger Maori. Lange Haare, die hinten zusammengeflochten waren, beeindruckende Mokos, ein Kaliber von einem Mann und so liebenswürdig wie es nur ein echter Neuseeländer sein konnte. Er gab mir Tipps mit auf den Weg und erzählte mir von seiner Kultur. Ich saß nur da und stellte mir vor, wie wundervoll NZ sein musste. Kurz vor der Landung überfiel mich die Müdigkeit. Ich bekam meine Augen kaum noch auf und während des Landeanflugs nickte ich immer wieder ein. Nur kurz bekam ich Neuseeland von oben zu sehen und erkannte nun, dass es zurecht den Namen „Land der großen weißen Wolke“ trägt.

Als wir aufsetzten wurde ich dann emotional. Ich war endlich da. Mein Neuseeland. Der Moment, auf den ich so lange gewartet hatte, war endlich gekommen. Ich betrat zum ersten Mal neuseeländischen Boden. Auf dem Weg zum Gepäck ging ich durch Gänge, aus denen Vogelgezwitscher und- wie könnte es anders sein – Schafgeräusche schallten. Überall waren die prunkvoll verzierten Maori-Schnitzereien zu sehen. Samt Gepäck und meinem Maori, machte ich mich auf den Weg zur Security. Er wusste von meinen Sorgen um die Biosecurity und die Panik, nicht einreisen zu dürfen.  Von da an begann die Schwärmerei von Neuseeland aufs Neue. Irgendwann als wir am Schalter ankamen, wir warteten gut 1,5 Stunden und ich natürlich ohne Gepäckwagen, wurde es sehr emotional und zusammen mit 4 anderen Kiwis trällerten wir die Nationalhymne des Landes. Natürlich auf maorisch! Mit einem amüsanten Lächeln, wahrscheinlich glaubten sie, wir wären total besoffen, nahm man uns in Empfang. Der nette Herr hinter dem Schalter fing dann auch noch an, mit mir zu plaudern, über Österreich, meinen Flug usw. Und das obwohl hinter mir hunderte Chinesen ungeduldig warteten. Ihn störte das überhaupt nicht.

Wahrheitsgemäß beantwortete ich alle Fragen, gab sogar mein Tagebuch aus Ziegenleder am Schalter an. Danach wurde mein ganzer Koffer untersucht, während auch der uniformierte Zollbeamte mit mir plauderte. Selbst er hatte, laut seiner Aussage, noch nie so kaputte, aber lupenrein saubere Schuhe gesehen. Dann noch durch einen Scan und ich war frei. Meine größte Sorge hatte sich damit in Luft aufgelöst. Mit dem Shuttle ging es dann ins Hostel. Der Fahrer war übrigens sehr entspannt und nahm seinen Door-To-Door Service sehr ernst. Parkte er nicht wirklich 30 cm vor der Eingangstür eines Hotels! Ob da Halten und Parken verboten war oder Fußgängerwege eigentlich nicht befahren werden durften, war ihm relativ egal. Hauptsache, man kam direkt vor der Tür seines Ziels an.

Das Hostel war, nun ja, 8 m2, zwei Stockbetten, vier Personen, ein kleines Bad/WC und viel zu viel Gepäck. Einer meiner Mitbewohner ließ nicht viel von sich verlauten, die anderen zwei sollte ich erst am nächsten Morgen kennen lernen. Nach einer ausgiebigen Dusche, legte ich mich ins Bett und war tot. Um 9:30pm! Bis 3 Uhr morgens schlief ich durch. Dann musste ich aufs Klo. Eigentlich ja kein Problem, doch wenn man oben schlief und das Stockbett weder Treppe, noch sonst ein Hilfsmittel besaß, war es schwer, hinunter zu kommen, ohne alle aufzuwecken. Ich musste zuvor schon buchstäblich auf das Bett hinaufklettern, das noch dazu extrem laut war und ständig quietschte. Ich lag also da und überlegt 20 Minuten lang, wie ich es am besten anstellen konnte. Mir blieb jedoch nichts anderes übrig, als einfach zu springen.  Danach verschanzte ich mich mit dem Laptop auf dem Schoß am Klo. Ich würde nie wieder ins Bett kommen, ohne mir weh zu tun und alle aufzuwecken. Also erzählte ich inzwischen allen, dass es mir gut ging. Irgendwann war jedoch mein Akku leer und ohne Laptop, einfach so stundenlang am Klo zu hocken, war doch ziemlich langweilig. Und erbärmlich. Also hangelte ich mich doch wieder zurück ins Bett. Da draußen jedoch sowieso die Hölle los war und ganz Neuseeland zu dieser Zeit das Rugbyspiel verfolgte und in heller Aufregung war, war es halb so schlimm. Hätte nie gedacht, dass eine ganze Nation so verrückt nach einer Sportart sein kann. Aber Neuseeland ist eben anders…

Und damit das nicht alles zu viel auf einmal ist, folgt der andere Teil noch.

 

3.11.15 10:17

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mama (3.11.15 09:33)
Mein liebes Kind! Wer dich kennt und diesen blog liest, hat während des Lesens herrliche Bilder vor Augen. Ich freue mich schon sehr auf die ersten Fotos und wir wünschen dir eine schöne Zeit am "anderen Ende der Welt".


Bernhard (3.11.15 09:55)
Hey Schatz, liest sich wie dein voriger Artikel sehr lustig und spannend, ich wünsche dir viel Spaß.

Ich liebe dich


Peter (3.11.15 11:00)
Liebe Stephanie, es ist wirklich beeindruckend wie du schildern kannst und es bereitet große Freude deinen Zeilen zu "lauschen". Ich wünsche dir eine großartige Zeit und freue mich auf weitere Berichte.


Oma (3.11.15 13:41)
herrlich, deine Schilderungen von Land und Leuten, schade nur, dass man das nicht auch live miterleben kann.
Du bist wirklich zu beneiden um diese Erlebnisse.
Wir freuen uns schon sehr auf weitere tolle Berichte und auch Fotos.
Viel Spass - hoch zu Ross

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