Neuseeland - hoch zu Ross

Meine Reise zu den Sehnsuchtsinseln
 

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Welcome to Taipei(h)...


So, der große Tag ist da, ich hab kaum geschlafen, war gereizt und wahrscheinlich auch noch nie so nervös. Um 11 Uhr ging mein Flieger und beim Aufgeben vom Gepäck lief zum Glück alles gut. Um 9:30 wurde ich zunehmend unruhiger, weil ich mir einbildete, spät dran zu sein. Eltern, Großelter und natürlich mein Freund waren da, um sich noch mal zu verabschieden. Es ist ja doch ein halbes Jahr. Und obwohl ich solange darauf gewartet habe, ist doch auch ein wenig Wehmut dabei...Trotzdem blieb ich stark, meine Abenteuerlust und die Neugier auf das versprochene Paradies am anderen Ende der Welt waren einfach zu groß.

Ich stand also da, zum ersten mal allein am Flughafen und versuchte, ja nicht vom Weg abzuweichen, kein Klo-Besuch, kein Shopping, nur den Schildern nach, die mich zu meinem Gate führen würden. Mit Handgepäck, Laptop, Kamera, zwei Jacken und der Boardingcard, die ich zusammen mit meinem Reisepass krampfhaft umklammert hielt, irrte ich am Wiener Flughafen umher, das das richtige Gate zu finden. Dort angekommen bekam ich gleich mal den ersten Schock. Hunderte Asiaten hatten sich bereits vor dem Scan und der Kofferkontrolle versammelt. Von einer geordneten Reihe war da keine Spur. Endlich war ich an der Reihe, nahm Ring, Uhr und sonstigen Schmuck herunter und hoffte, dass mein Koffer voller Nadeln und Flüssigkeiten nicht Alarm schlagen würde. Tat er nicht. Ich hingegen schon.

Nachdem ich zuvor noch Glück gehabt hatte und eine  Familie eine hietzige Außeinandersetzung mit der Security geführt hatte, weil nur ein Gepäckstück erlaubt war und ich mit meinen zwei, noch dazu viel zu schweren Koffern durchkam, musste ich eben jetzt zur Kontrolle. Zuerst war es mein Gürtel gewesen, auf den ich zuvor noch gedacht, dann aber wieder darauf vergessen hatte, und dann mein Piercing, das für höchsten Aufruhr sorgte. Um die Nadeln und dem Insulin, mit dem ich vermutlich den ganzen Flughafen hätte umbringen können, scherte sich niemand, ein jeder wollte nur meinen Bauchnabel begutachten. Nachdem ich freundlicherweise darauf hingewiesen wurde, dass sich eben dieser bald entzünden würde, diskutierten sie den weiteren Verlauf meiner Kontrolle.

Wenn ich sage, dass ich bereits da wie ein Schwein geschwitzt habe, ist das nur eine Untertreibung.  Was, wenn sie mich nicht ausreisen lassen würden? Wenn ich gar nicht bis Neuseeland käme? Kurz bevor ich anfing, innerlich zu hyperventilieren, ließen sie mich dann doch durch. Wahrscheinlich auch nur, weil die Frau, die mich legalerweise begrapschen darf, von meinen Schweißflecken am Rücken etwas angewidert gewesen sein könnte. Etwas erleichtert kam ich also im Wartebereich an. Die erste Hürde hatte ich schon mal überwunden. Das Warten fühlte sich an, als wären es Stunden gewesen, aber eigentlich dauerte es nicht mal 30 Minuten.

Mit Wehmut und Vorfreude folgte ich einfach den Asiaten, stets kontrollierend, ob ich auch ja in den richtigen Flieger einstieg. Meine Hoffnungen auf einen fensternahen Gangplatz lösten sich in Luft auf, als ich meine "Heimat" für die nächsten 12 Stunden vorfand. Mittelgang... Aber vielleicht hatte ich auch zu viel verlangt. Immerhin konnte ich bei einer 2-3-2er Aufteilung der Sitze auch von der Mitte aus gut nach draußen sehen. Wären da nicht die scheinbar lichtscheuen Asiaten, die sofort, nachdem sie ihr Gepäck verstaut hatten, die Fenster verriegelten. Gut, na dann eben ohne Ausblick...

Irgendwann fiel mir auf, dass das gesamte Flugzeug inklusive Besatzungnur aus Asiaten bestand. Einziger Nicht-Asiate war somit ich. Blöd nur, wenn man neben einem alten, noch dazu laut schmatzenden Ehepaar sitzt und das Flugpersonal denkt, man sei das groß gewachsene adoptierte Kind, das sie gerade aus Österreich mit in ihre Heimat nehmen wollen. Nicht alle Stewardessen sprachen englisch oder trauten sich nicht dazu, weshalb es ganze neun Stunden dauerte, bis ich ihnen erfolgreich erklären konnte, dass ich nicht die Adoptivtochter der Frau neben mir war, die alle paar Sekunden gurgelähnliche Geräusche von sich gab, als würde sie jeden Moment den Löffel abgeben, und ich infolge dessen auch nur auf englisch oder wahlweise deutsch und spanisch mit ihnen kommunizieren konnte. Davor hatte ich keine Ahnung, ob die männliche Stewardess alle zwanzig Minuten vorbeikam und "Feuer!" oder "Bombe!" schrie oder einfach nur "Kaffee" oder "Tee". Wie sich herausstellte, war es wohl Letzteres.

Mit der Sprache hatte ich wirklich so meine Probleme. Abgesehen davon, dass man es nicht unterscheiden konnte, wann etwas auf chinesisch und wann etwas auf englisch gesagt wurde und ich zu Beginn schon einfach darauf hoffen musste, dass ich wirklich im richtigen Flugzeug saß, verstanden die Asiaten dort auch nicht wirklich viel von dem, was ich sagte. Jeder Sitz hatte zwar einen tollen Bildschirm mit allerlei toller Funktionen, Spiele, Musik, Filme (und nicht zu fassen, sogar einen Porno!), allerdings war die Grundeinstellung auf chinesisch, sodass ich nur da sitzen, die komischen Zeichen betrachten und mir ausmalen konnte, was sie wohl bedeuteten. Irgendwann fand ich heraus, dass es dazu auch eine Fernbedienung gibt (wer sieht denn schon beim Nachbarn unter dem Sitz danach?!). Problem gelöst. Naja, nicht ganz. Da stand jetzt zwar alles auf Englisch, doch ich kam nicht ganz damit zurecht, dass die Pfeiltasten nach oben und unten für links und rechts stehen und die Pfeiltasten nach lienks und rechts für oben und unten. Egal, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Wobei der Flug eigentlich teuer genug war.

 

Komisch war, das jeder einzelne eine kleine Thermoflasche mit hatte, die die Stewardessen im Minutentakt auffüllen durften. Ich überlege bis jetzt, ob die alle im Duty Free waren und sich die gleich Flaschen gekauft hatten...

Allerdings muss ich sagen, dass das Personal echt intelligent ist. Nach dem Essen, das beim ersten Mal richtig gut war, danach für europäische Geschmacksnerven jedoch eher als umstritten gilt, schalteten sie einfach das Licht aus. Angegessen und eh schon in dösiger Stimmung, war es innerhalb von Minuten mucks mäuschen still. Abgesehen von den schmatzend-rülpsenden Lauten neben mir. Ich war wieder einmal die einzige, die keinen Schlaf finden konnte. Kurz vor dem Abendessen (oder Frühstück?) wurde das Licht eingeschalten und schlagartig waren alle munter. Das Klo war wieder dauerbesetzt und vor lauter Sching-Schang und Niang-Niong mochte man seine eigenen Gedanken nicht mehr hören. Gespannt und schmunzelnd sah ich zu, wie ausnahmslos alle ihre servierten Brötchen mithilfe einer Gabel mit Butter schmierten. Jaja, die spinnen, die Asiaten. Das war zumindest meine Meinung, bis ich mein Essen serviert bekam. Ich versuchte es lange, viel zu lange mit dem Messer. Nachdem mich die Nacharn zu meiner rechten dann schon ebenfalls schmunzelnd beobachteten, wechselte ich beschämt zur Gabel...

 

Danach war Teezeit. Bevor nicht jeder Passagier mindestens zwei Becher Tee bekommen hatte, war an Ruhe nicht zu denken. Ich vermute ja, dass da Beruhigungstabletten untergemischt wurden, denn kaum waren die Lichter wieder aus, schliefen schon wieder alle. 

Ich hätte in der Zwischenzeit nur zu gern gewusst, ob es draußen Tag oder Nacht war, allerdings blieben die Fenster bis zur Ankunft in Taipei verdeckt. Ich machte mir einen Spaß und fragte eine der Stewardessen, wie spät es denn eigentlich sei. Sie sah mich ganz erschrocken an, als hätte ich soeben verkündet, eine Bombe unter meiner Jacke zu tragen. Sie entschuldigte sich kurz und kam nach wenigen Minuten mit der Info zurück, dass es acht Uhr morgens sei. Ihr könnt euch vorstellen, wie sie dreingeblickt hat, als ich verkündete, dass es in Österreich gerade acht war, wir uns jetzt aber irgendwo zwischen Mount Everest und Thailand befanden. Ganze vierzig Minuten hielt ich die ganze Besatzung mit meiner Frage auf Trab, bis man mir sagte, es sei in Taipei gerade zwei Uhr morgens. Damit lagen sie zwar genauso daneben, wie mit acht Uhr abends in Österreich, aber es war sehr amüsant, das ohnehin schon hohe gezwitscherder Chinesen hinter mir zu verfolgen.

Danach wollte ich eigentich weiter an meinem Blog schreiben, aber ich denke, dass mich die anderen Passagiere in unmittelbarer Umgebung dafür gehasst haben. Zum Schreiben brauche ich nun mal Licht und wenn die Fenster zu sind und es auch sonst dunkel ist, muss ich eben die zugegebenermaßen sehr helle Lampe über mir anschalten. Allerdings konnte keiner von denen englisch, geschweige denn deutsch, also sprach mich auch keiner an Nur meine Nachbarin (ich hatte bereits einen Tinitus!) ließ neben mir die üblichen undefinierbaren Geräusche und ab und zu ein leises Schnauben und Grunzen von sich (vielleicht hat sie aber auch nur geschlafen. Gestorben ist sie jedenfalls nicht, das hätte ich gehört!) 

 

Auf jeden Fall, kaum waren wir am Boden, schalteten alle ihre Handys ein und von überall vibrierte und summte es. Der Flieger hatte noch nicht einmal geparkt, waren schon alle aufgestanden und räumten hektisch ihr Gepäck aus den oberen Ablagen. Ich ließ mir Zeit, saß ganz ruhig da und wartete. Bei 17 Stunden Aufenthalt hatte ich sowieso nichts Besseres zu tun.

Da war ich also. Auf halbem Weg vor meinem Ziel. Sechs Uhr morgens Ortszeit. Auf dem Klo machte ich mich noch frisch, zum Glück hatte ich die Erfischungstücher mit! Danach ging es mit ganzem Handgepäck weiter. Ich suchte das Tourist Center, wollte ich doch die Stadtrundfahrt machen. Irgendwie hatte ich es wiedermal geschafft, bei den Diplomaten zu landen. Aber die waren echt nett und haben mich zum richtigen Schalter begleitet... Dort gleich Visum Beantragt, mit Fingerabdruck- und Augenscan. Und dann... leer. Alles leer, da war niemand! Ich versuchte den Anweisungen der Security zu folgen und kam endlich nach einer Stunde an. Zwar am falschen Terminal, aber das würde ich nach der Führung schon irgendwie hinbekommen. Ich meldete mich also an und fragte nach der Gepäckaufbewahrung, da auf der Broschüre stand, dass kein übermäßiges Gepäck mitgenommen werden darf. 

Nun gut, ich wurde über 17 Ecken irgendwo an den A... der Welt geschickt und kam beim asiatischen UPC an. Ich denke, da hat mich die Dame am Schalter falsch verstanden. Die Angestellten dort bemühten sich ja wirklich, aber keiner wusste wirklich, wo diese ominöse Gepäckaufbewahrung sein sollte. Schließlich gab ich es auf, erfand eine Ausrede, um dem Scham irgendwie zu entgehen und sagte die Busfahrt ab. Am Ende stand ich irgendwo und verpasste vielleicht noch meinen Flug - der geht übrigens um 23 Uhr...

Auf jeden Fall musste ich zum Terminal zwei, mit dem Skytrain dorthin. Irgendwann fand ich mich in der Personalabteilung wider, allerdings waren sie auch dort so nett und halfen mir aus dem Labyrinth. Ich dachte schon, ich wäre völlig falsch, weil da keine Menschenseele zu finden war. Ich schaffte es dann doch zu Terminal 2. Wo genau ich hin muss, weiß ich nicht. Auf der Boardingcard steht nämlich kein Gate. Nur der Sitzplatz... Tja, und jetzt sitze ich hier, in einem asiatischen Burgerking, mit einem Iced Tea (kein Eistee, sondern wirklich Iced Tea - grauenhaft!) und einem Reisburger. 14 Stunden muss ich noch irgendwie überbrücken. Noch dazu hat mir meine Gastmutter geschrieben, was ich denn für einen Bus gebucht habe, weil am Sonntag angeblich keiner geht. Wer weiß, was ich da schon wieder gefunden habe. Vermutlich ein Bus ins australische Hamilton. 


Bis dahin gibt es aber noch einige Hürden. Erstmal werd ich das Lokal wechseln. Ich komme mir erbämlich vor, 14 Stunden ganz allein an ein und demselben Platz in einem Restaurant zu sitzen. Und dann werd ich mich um kurz vor zehn in die Mitte des Terminals setzen und zu weinen beginnen, bis man mich bis zu meinem Platz im Flugzeug begleitet. Hoffentlich ohne schmatzende Chinesen. 

 

P.S.: Übrigens weiß ich bis jetzt noch nicht, ob es Taipei oder Taipeh heißt. Hier am Flughafen findet man immer eine andere Version davon.


 

30.10.15 02:49

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Bernhard (30.10.15 06:09)
Sehr schön zu lesender Artikel über die Tücken des Reisens in Länder wo englisch nicht unbedingt als internationale Sprache angesehen wird. So und nun iss noch ein paar Reisburger nicht das du vielleicht keine mehr bekommst.

Hoffentlich findest du den richtige Flug und alles weitere geht gut Schatz.

Ich liebe dich und viel Spaß


mama (30.10.15 06:13)
Ach herrje, da hâtten wir dir doch noch so einiges über asien erklären sollen. Dein gate findest du auf einer der großen anzeigetafeln neben deiner flugnummer und taipeh soll eh nicht so spannend sein, pfeif drauf!!! Siehs als riesenabenteuer und lern ganz schnell "Gastarbeiterenglisch"!!!!!!!


Oma (30.10.15 09:25)
Deine Reisebeschreibung klingt äußerst exotisch, aber, wie nicht anders erwartet, wunderbar. Nur dass du das alles wirklich erleben musst, kann man sich zu Hause eigentlich gar nicht vorstellen. Aber es geht ja bald weiter in das Land deiner Träume; dort ist sicher alles anders und genauso toll, wie du dir das schon lange vorgestellt hast.
Wir warten schon jetzt auf positive Meldungen von dir.Jetzt dauert es auch wirklich nicht mehr lange und die Reise geht weiter, wenn du in Wien die richtige Maschine gefunden hast, wirst du auch in Taipeh den passenden Flieger finden, ich bin ganz sicher.
Ich freue mich schon auf deine Super-Ausführungen
Kopf hoch und durch


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