Neuseeland - hoch zu Ross

Meine Reise zu den Sehnsuchtsinseln
 

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Kia Ora

Kia ora und herzlich Willkommen auf meinem kleinen Blog, der nach tagelangem Tüfteln endlich Form annimmt. Gar nicht so leicht, wenn man zwei linke Hände hat, was Technik betrifft. Wie auch immer, jetzt habe ich den Dreh raus und kann über meine Erlebnisse berichten.

 

Meine Reise führt mich ans andere Ende der Erde, 44 Flugstunden von Wien entfernt  in eine völlig andere Welt - NEUSEELAND.

Los geht es am 29. Oktober gegen Mittag, mir bleibt also nicht mehr viel Zeit. Mein Plan für das nächste halbe Jahr im Paradies sieht vor, dass ich sehr viel mit Pferden arbeiten werde, auf einer Ranch in Te Uku, in der Nähe von Hamilton. Natürlich werde ich viel durch das Land reisen und dabei ganz sicher Dinge erleben, die ich mir bis jetzt noch nicht vorstellen kann (hoffentlich nur gute!). Und zum Schluss dient dieses Abenteuer auch als Recherche für meinen nächsten Krimi, der in Auckland angesiedelt ist. Und vielleicht entsteht ja auch ein ganzes Buch über meine Reise, mal sehen, wohin mich die verlassenen Pfade der Sehnsuchtsinseln  führen...

 

Ich hoffe, dass ich mit meinen Einträgen, Bildern und Videos einigen Neuseelandfans, die vieleicht Ähnliches planen, helfen kann. Und nicht zuletzt habe ich auch ein paar Tipps für Diabetiker auf Reisen zusammengestellt, da ich während meiner Vorbereitungen gemerkt habe, dass das eine zusäätzliche Herausforderung ist, die man nur mit viel Vorwissen und noch viel mehr Organisation bewältigen kann.


23.10.15 09:51, kommentieren

Way up north & bye bye Petra

So, wieder ist einige Zeit vergangen und ich hab viel zu berichten. Mittlerweile bin ich seit knapp 10 Wochen in Neuseeland. Glaub ich. Ich hab hier völlig das Zeitgefühl verloren…  Ende November, Anfang Dezember waren wir zwölf Tage im Norden an der Ostküste Neuseelands, genauer gesagt am Great Exhibition Bay, nördlich von Pukenui, die nächstgelegene „Stadt“, bestehend aus einem Kiosk, ein paar Häusern und einem Hafen. Die Hinfahrt dauerte neun Stunden mit einem Hänger, der für drei Pferde gebaut ist, wo allerdings vier drinnen waren, einem anderen Hänger voll mit „Fressalien“ und Betten für Melina und mich, inklusive Quad. Wir legten nur eine größere Pause für die Pferde ein und eine kleine, um schnell etwas zu Mittag zu holen. Oh, stimmt und einmal mussten wir tanken. War ziemlich knapp, wir hatten nämlich nur mehr Sprit für 17 km. Aber das nehmen die Neuseeländer relativ locker. Genauso wie die Wegbeschreibungen. „Turn left at the last garage“ …

 

Am späten Nachmittag kamen wir dann auf dieser riesigen Privatfarm an. Wie ich später erfuhr, war es eine Milch- und Fleischfarm mit über 900 Rindern und mehreren tausend Hektar Land. Wir brauchten eine weitere Stunde, um von der Straße (übrigens ist das die einzige Straße, die durch den Norden führt – viel mehr Verkehr ist dort trotzdem nicht) zum Strand zu gelangen. Ich kann nur eines sagen:  Die Stoßdämpfer müssen dort echt einiges aushalten, da sind unsere Schlaglöcher dagegen kleine Dellen… Also, mit vier Pferden, zwei Autos, vier Personen und jeder Menge Essen sind wir dann über diese Farm gefahren und kamen dann an unser Ziel.

 


 

Unser Campground war nur durch einen kleinen Zaun und den neuseeländischen Busch vom Meer getrennt, doch man konnte bereits von dort den weißen Sandstrand, die malerischen Dünen und das Meer sehen. Im ersten Moment, wenn man das so sieht, ist es einfach nur überwältigend. Die Pferde waren mittlerweile draußen, hatten eine riesen Koppel zur Verfügung, in mitten derer wir unser Lager aufgeschlagen hatten. Die Sonne ging bereits unter und alles, was du gehört hast, waren Vögel und das Meer. Und ab und zu galoppierende Hufe und ein freudiges Wiehern. Nichts anderes. Melina und ich sind dann natürlich sofort runter zum Strand, haben eine provisorische Sandburg gebaut und den Strand erkundet, bevor wir zurückgingen und uns zum Essen parat machten. Es ist aber nicht so, als hätten wir einen richtigen Weg zum Strand gehabt. Es gab zwei Holzbretter, die als Stufen über den Zaun angebracht worden waren und ansonsten musste man sich durch das Dickicht kämpfen. Dank Melina gab es ab dem zweiten Tag dann einen halbwegs begehbaren Weg, bei dem man nicht Gefahr lief, sich bei jedem Schritt die Beine zu brechen. Melina und ich hatten zwei echt gemütliche Betten in unserem Hänger, der mit Kühlschrank und Herd ausgestattet war – wir hatten also stets das ganze Essen in unserer Nähe!

 

Der erste Tag verlief ganz angenehm, endlich mal ausschlafen und danach am Strand reiten. Wir mussten allerdings feststellen, dass es da tausende von Zecken gab, die zum Glück nur auf die Pferde und nicht auf uns gingen. Am Nachmittag waren wir dann auch ohne Pferd im Meer, war auch super, nur wurde ich gleich mal von einer Qualle gestochen und von einem Krebs gezwickt. Naja, das gehört halt dazu. Für den Abend haben wir noch ein Loch gegraben, Holz mit dem Quad geholt und dann gab es Steak am Lagerfeuer. Keine Mücken, klarer Himmel und ein blutroter Mond, einfach eine wahnsinnig schöne Atmosphäre. Am nächsten Tag natürlich wieder am Strand, Muscheln gesucht, die Gegend erkundet, was uns eben gerade einfiel. Dadurch, dass man den Strand eigentlich nur über das Privatgrundstück betreten kann, waren wir die einzigen weit und breit. Keine Menschenseele war zu sehen. Herrlich! Wir mussten uns aber auch um unseren eigenen „Shitplace“ kümmern. Ein Klo gab´s da nämlich nicht. Am Anfang war das ja kein Problem, aber nach zwölf Tagen habe ich beim Anblick einer Toilette mit echter Spülung schon fast geweint.

 

Am dritten Tag wollten wir mit den Pferden ins Wasser. War auch echt toll. Die Wellen waren ungewöhnlich hoch und man merkte, dass die Pferde Spaß dran hatten. Wir mussten nur aufpassen, dass sie uns nicht auf die nackten Füße sprangen. Das war kein Problem. Nur als ich wieder aus dem Wasser kam, streikte meine Pumpe plötzlich und reagierte auf nichts mehr. Meine wasserfeste Insulinpumpe hatte also den Geist aufgegeben, als ich in den Wellen stand (und nicht einmal tauchte!). Nun gut, zum Glück hatte ich ja meine Ersatzpumpe dabei. Hatte ich nicht. Einen Tag vor Abreise packte ich meine Tasche nämlich noch einmal um und hatte sie wohl vergessen. Zum Glück hatte ich meinen Pen eingesteckt. Allerdings keine Nadeln… Ich saß also da, mitten im Nirgendwo mit einer nicht funktionierenden Pumpe und noch weiteren neun Tagen vor mir. Das nächste Spital war gut 300 km entfernt, mal abgesehen davon, dass die Versicherung das sowieso nicht bezahlt hätte. Aber ich wäre ja nicht ich selbst, wenn ich nicht einfach nur mit Schlauch und Kugelschreiber bewaffnet die Situation bewältigen könnte. Ich denke, jeder Arzt hätte wohl bei diesem Anblick einen Herzinfarkt bekommen. Ich hatte ja selbst keine Ahnung, wie viel ich mir eigentlich spritzte. Daumen mal pi sozusagen, aber hey, ich bin ja anpassungsfähig und zu meiner eigenen Überraschung funktionierte das ganz gut.

 


 

Einen Tag später wollten wir fischen gehen. Also packten wir unsere Angeln und sind die riesigen Felsen und Felswände hinaufgeklettert (mit Gummistiefeln!). Klein Stephanie muss da natürlich sofort mit und kaum waren wir an unserem Ziel, genau da muss es mir natürlich die Kniescheibe raushauen. Ich war also irgendwo dort oben, bin mit Müh und Not dort hingekommen und musste jetzt wieder runter. Mit einem kaputten Knie. Nun gut, kriechend bin ich wieder zurück, brauchte fünf Mal so lange als zuvor und war froh, endlich wieder ebenen Boden unter meinen Füßen zu spüren. Also rauf aufs Quad, mit dem wir zu den Felsen gefahren waren und wieder zurück zu unserem Campground. Alles doch recht einfach, wären da nicht diese blöden Dünen gewesen. Schneller als ich es überhaupt realisieren konnte, war ich also auch mit Vollgas vom Quad gefallen und das verdammte Ding genau auf meinen frisch verkrippelten Fuß drauf. Danach brauchte ich erst einmal was zu Essen.

 

Von da an dachte ich nur, dass jetzt echt nichts mehr passieren konnte. In den ersten vier Tagen hatte ich alles an Verletzungen und Vorfällen hinter mich gebracht, was überhaupt passieren konnte. Jetzt konnte gar nichts mehr schief gehen. Zwei Tage später saß ich sogar schon wieder am Pferd. Vier Stunden reiten mit zwischenzeitlicher Klopause – samt Pferd – um danach festzustellen, dass es ohne Steigbügel zwar leichter ist zu reiten, aber man nicht mehr aufs Pferd kommt. Oh ja, und übrigens, versuch mal als Frau mit einem kaputten Knie mitten in der Wildnis fürs kleine Geschäft in die Hocke zu gehen. Das war mal eine Aufgabe. Abgesehen davon musste ich jedes Mal über den Zaun klettern, um zu meinem Shitplace zu gelangen. Ich musste genau abschätzen, wann ich wirklich aufs Klo musste und immer eine halbe Stunde früher losgehen. Naja, so sah der ganze Urlaub aus. Ein Vorfall und eine blöde Situation nach der anderen, die das Ganze aber aufgelockert hatte. Und irgendwie nahm ich das schon mit Humor.

 


 

Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Strahlender Sonnenschein, keine einzige Wolke am Himmel, absolut perfekt. Wenn man eine Sonnencreme dabei hat, die für die neuseeländische Sonne geeignet ist. Meine war es definitiv nicht. Bereits nach den ersten zwei Tagen hatte ich den Sonnenbrand meines Lebens (ok, ich war in der Sonne eingeschlafen, dementsprechend sah auch mein Rücken aus. Zuerst nur rot, dann kamen die Bläschen und dann ging mir die Haut ab – trotz regelmäßigen Schmierens) Allerdings war ich auch so relativ rot geworden. Alles in allem war es allerdings ein unglaublich schöner Urlaub. Mit Melina war ich fast jeden Tag im Meer, einfach den Wellen entgegen geschwommen und sich treiben lassen. Oder am Strand eine Sandburg gebaut, jeden Tag Holz geholt, vor dem Lagerfeuer gesessen und die Pferde versorgt.

 

Das absolute Highlight war allerdings ein Abend ziemlich am Ende unseres Urlaubs. In Neuseeland kann man sowieso schon einen ganz anderen Sternenhimmel bewundern als in Europa. Es sieht aus, als würde es Sterne regnen. Fernab der Zivilisation und der Lichter der Städte kann man bei klarem Himmel tausende von Sternen erkennen. Und in dieser einen Nacht zog sich ein milchig-weißes Band über den Himmel, direkt über unsere Köpfe hinweg. Die Milchstraße in ihrer ganzen Schönheit. Ein Ausschnitt aus der Galaxie, in der wir leben, ein Blick in die Vergangenheit. Das Gefühl, das man bekommt, wenn man über sich einen Teil einer ganzen Galaxie sieht, so klar und unverkennbar, ist absolut überwältigend und versetzte mich in eine melancholische Stimmung.

 


 

 

Noch dazu wurde das Heimweh von Tag zu Tag doch immer größer. Bis dahin kannte ich ja sowas gar nicht. Obwohl unser Aufenthalt dort also wunderschön und unvergesslich war, konnte ich es nicht mehr abwarten, endlich nach Hause zu kommen und nach einer zehnstündigen Fahrt als aller erstes Mal Berni anzurufen (nachdem ich meine Ersatzpumpe angeschlossen habe&hellip Da kamen mir die ersten Zweifel, was meine Reise anging, habe ich doch alles, was ich brauche und je wollte, bereits daheim, 18.000 km weit weg…

 


 

Da traf es sich gut, dass ich kurz darauf mein Fresspaket aus Österreich bekommen hab, das leider viel zu schnell wieder weg war. Danke, Mama!!!

Und dann hab ich noch "Schatzis Schatzkiste" gemacht. Ein Spezial- Alles-in-einem-Menü von Berni 

 


 

Melina ging eine Woche später, allerdings haben wir uns vorher noch dazu entschlossen, mit ihr und ihrer Freundin im Februar einen Camper zu mieten und zu reisen. Nachdem sie weg war, bekam ich einen ungewöhnlichen Motivationsschub, war früher auf als eigentlich notwendig und fing da schon mit der Arbeit an. Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb es mit Petra dann so gut lief. Wir machten uns immer ein wenig über unsere Kunden lustig, so zum Beispiel die eine Familie aus Tokio, die zum einen echt anstrengend war und zum anderen haben alle immer geschrien, wenn jemand im Umkreis von 5 Metern Gefahr lief, in Pferdeäpfel zu treten. Man kann sich vorstellen, wie es da auf einer Farm zuging.

 

 


 

Mit Weihnachten kam auch wieder das große Heimweh. Wir suchten unseren Baum selbst aus, ein typisch neuseeländischer Baum natürlich und mit der Säge bewaffnet, durfte ich ihn auch gleich eigenständig fällen. Von Petra bekam ich einen Friseurbesuch geschenkt, da ich einige Zeit zuvor noch darüber geklagt hatte, dass die Sonne meine Haare komplett ausbleicht. Da war ich echt perplex, und natürlich dankbar. Für sie hab ich ein Armband aus Pferdehaaren gemacht mit einer Muschel als Anhänger, die ich zu einer Herzform geschliffen hatte. Ich war selbst überrascht über meine handwerklichen Fähigkeiten. Kurz vor Weihnachten kam Petras Sohn vorbei. Es war extrem merkwürdig, ganz besonders, weil er nur englisch spricht und sie mit ihm nun deutsch. Tja, und ich mitten drin und ich hatte absolut keine Ahnung, in welcher Sprache ich nun antworten sollte. Ich blieb während dieser zwei Tage deshalb vorübergehend wortkarg. Ich merkte allerdings, dass nicht nur Petra ein Alkoholproblem hat. Zu Weihnachten schenkten sie sich nämlich ausnahmslos Hochprozentiges. Da konnte ich mit dem geflochtenen Armband aus Pferdehaaren mit selbst geschliffenem Muschelanhänger natürlich nicht mithalten. Geschenke gab es schon am 24. Und am 25., dem eigentlichen Weihnachtsmorgen waren die „Weihnachtsgeschenke“ alle schon leer…

 


 

 

 



Auf jeden Fall gingen wir an besagtem Morgen mit den Pferden schwimmen. Das Wetter war herrlich, einfach wunderschön. Zu Mittag lud sich Petra fünf Minuten vor Beginn noch schnell zu Bekannten, die sie erst zweimal gesehen hatte, zum Essen ein. War auch ein wenig seltsam, aber zumindest war das Essen ganz gut. Um sechs abends beschlossen wir, einen Nachtritt zu machen, nachdem an dem Tag der erste Vollmond seit 1977 am 25. war.

 


 


 

Wir aßen am Hafen, wo sonst niemand war, zu Abend und die Aussicht war echt schön. Auf dem Rückweg gab es mal wieder ein riesen Tamtam. Wie auch immer, wir kamen um kurz nach Mitternacht nach Hause und obwohl wir am nächsten Tag keinen Ritt hatten, musste ich aus mir unbekannten Gründen wieder um sechs Uhr aufstehen. Das schönste an Weihnachten war aber das gemeinsame Fest mit meinem Freund. Es gab sogar ein Weihnachtsfoto mit mir via Skype (mein momentaner Bildschirmschoner). Und weil ich ohnehin schon nahe am Wasser gebaut bin, es Weihnachten und ich nicht zu Hause war, heulte ich dabei natürlich wie ein Schlosshund.

 


 

Ein Tag nach Weihnachten hatten wir mal wieder so eine riesige, sinnlose Diskussion darüber, wie nutzlos und unfähig ich doch bin und dass man mich nie respektieren wird, weil ich meine Brille nicht putze bla bla bla, dass ich dann einfach gegangen bin und meine Koffer gepackt hab. Danach kam sie an und sagte, sie hätte die Hoffnung mit mir noch nicht aufgegeben usw. Ich nahm an, sie hatte zu viele Ritte, um es in nächster Zeit alleine zu schaffen – so war es dann auch… Nichtsdestotrotz blieb ich trotzdem. Blieb mir auch nichts anderes über. Wo sollte ich denn schon für einen ganzen Monat hin? Naja, lange war ich ja nicht mehr dort, das halte ich auch noch aus… Silvester war hingegen echt ereignislos. Ich hab mit Berni geskypt. In meinem Zimmer. Mit zugezogenen Vorhängen. Ich hätte aber eh nicht viel gesehen. Zwei Raketen über Raglan, irgendwann weit nach Mitternacht…

 

Eines Morgens sollte ich eines der Pferde mit Sonnencreme einreiben, wie jeden Tag. Nur diesmal – keine Ahnung, warum – ging dieses Mistvieh von Leberkäse total auf mich los, biss mir in den Kopf, rammte mich zu Boden, schlug nach mir und stieg die ganze Zeit. Das ging zweimal so, dann war ich mit den Nerven fertig. Und auf diesem Tier reiten 5-jährige Kinder! Schon zuvor ist Holly (alias Leberkäse) aggressiver auch beim Reiten geworden. Sie hat immer wieder die Reiter in den Fuß gebissen oder ausgeschlagen, das lag natürlich immer nur am Reiter, und mich in die Schulter gebissen, wenn ich nur neben ihr stand. Ich hatte also, und das muss ich zu meiner Schande gestehen, eine Zeit lang nicht nur Angst vor ihr, sondern allgemein Angst vor Pferden. Ich bekam echt Panik, wenn ich einem von ihnen näher gekommen bin. Zum Glück hielt diese Phase nicht lange an. Holly ist mir aber dennoch bis heute nicht geheuer… Das war der Zeitpunkt, an dem die Stimmung zwischen Petra und mir auch wieder umschlug und plötzlich war ich wieder das faule, egoistische Mädchen aus Österreich, das nichts auf die Reihe bringt. Allerdings nehme ich das nicht ernst. Kann ich auch nicht von jemandem, der mir über Sauberkeit und Ordnung eine Predigt hält und gleichzeitig in seinem Kühlschrank, Dreck, Haare und tote Fliegen hat, die übrigens auch im Essen sind, und bei dem ich nach dem Duschen dreckiger bin, als zuvor. Ich nehme an, der Alkoholvorrat war leer. Nach unserem 12-tägigen Ausflug hat sie nämlich 28 Liter Wein versoffen und zwei Kisten á 28 0,5L Dosen Bier. Und zu Hause ist es nicht besser. Da steht das erste Bier schon am Frühstückstisch.

 

Irgendwann, von einem Tag auf den anderen schlug das Wetter um und seitdem ist es nur mehr heiß. Noch dazu hatten die Ferien begonnen, das heißt, wir sind völlig ausgebucht. Meist sind wir um sieben schon außer Haus und kommen erst um sieben, halb acht wieder Heim. Abendessen gibt es sowieso nur ganz selten vor zehn. Das Frühstück (meist zwei Stücke Weißbrot mit Käse und Marmelade, Wurst gibt’s hier nämlich nicht) wird im Auto auf dem Weg zum Strand gegessen, das Mittagessen besteht aus Fertignudeln, die seit dem Morgen im Wasser in einer Tupperschüssel liegen und zum Abendessen gibt es entweder Steak - aus der Mikrowelle und mit so viel Pfeffer, dass man es nicht essen kann - oder extrem fettige Würstel. Oder Fisch. Jedes Mal, wenn Von, Petras Mitbewohner, fischen war, gibt es tagelang Fisch. Er kocht ihn echt gut, aber nach dem dritten Tag hast du auch davon genug.

 

Da in unseren Hänger nur vier Pferde passen, wir aber manchmal fünf oder sechs Leute haben, oder Petra entschließt, auch reiten zu wollen, müssen wir manchmal zweimal fahren und ich darf im Regen auf die Pferde aufpassen. Naja, was soll´s. Zumindest werde ich hier echt fit. Der Strand ist ca 5 km lang. Hin und zurück also 10km. Und das 3-4 Mal am Tag gibt eine gute Kondition. Das ist womöglich auch der Grund, weshalb ich am Abend beim Skypen nun schon zum dritten Mal in Folge einfach einschlafe. Komischerweise habe ich auch wieder ständig Kopfschmerzen. Vielleicht schlafe ich doch zu wenig. Naja, und zwischenzeitlich habe ich mir mit der Brotmaschine den halben Finger abgetrennt und mit dem Käsemesser die Haut an meiner Hand abgeschabt.

 

In Raglan hab ich mir ein Tattoo machen lassen. Ist auch echt schön. Allerdings hatte ich nur einen Tag später einen Unfall, wieder mal mit diesem Miestvieh Holly, und das Metalldingens am Strick schnalzte in mein Handgelenk, was zur Folge hatte, dass die Linien verschwammen und jetzt teilweise weg sind, mal abgesehen davon, dass ich mir das Handgelenk geprellt hab.

 

Petra hab ich mittlerweile gesagt, dass ich nur noch bis Ende Januar bleibe. Also nur mehr 19 Tage! Zu meiner Überraschung lief dieses Geständnis ganz positiv ab. Auf jeden Fall geht mein Flieger nach Australien am 28.1. und am 3.2. geht die große Reise los. Vor ein paar Tagen war ich in Rotorua, dem kulturellen Zentrum Neuseelands, da Petra für einige Tage weg war und ich so Zeit hatte, was vom Land zu sehen. In dieser kleinen Stadt gibt es Schwefelseen, Geysire, Vulkanlandschaft und vieles mehr. Man riecht es aber auch. Der Schwefelgestank erinnert stark an faule Eier und ist überall in der ganzen Stadt zu riechen. Wenn man hier pupst, bemerkt es echt niemand. Ich liebe Rotorua!!!

 


 

Am zweiten Tag ging es ins Maori-Dorf mit Haka und Hangi. (Haka – Kriegstanz, Hangi – traditionell gekochtes Maori-Essen), danach zu den Vulkan- und Schwefellandschaften. Ich wollte noch das Wildwasser Rafting machen, aber dazu blieb leider keine Zeit mehr. Das muss ich woanders nachholen.  Dann war Wai-O-Tapu dran, eine Schwefelseelandschaft, die zu den 20 surrealsten Orten der Welt gehört. Von dort aus nahm mich unser Busfahrer noch auf einen Ausflug zu den Hotsprings mit, wunderschöne, natürlich Heißwasserquellen mit Wasserfall.

Einen Tag später besuchte ich Agroventures, um im Windkanal den Freefall zu machen. Endlich hatte ich meinen Bus gefunden – war witzig, weil ich keine Ahnung hatte, wo ich aussteigen muss, also wollte ich als letzte mit einer alten Dame aussteigen, die mich fragen wollte, ob ich bei Agroventures aussteigen will. Auf mein Nicken, kam ein militärisches, aber lieb gemeintes „Stay in the bus!“-  die nächste Busstation war knapp  6 km entfernt. Und jetzt warne ich alle, die mich kennen, vor. Ich hab mir nämlich tatsächlich und ganz ernst gedacht: 6 km? Das geh ich doch zu Fuß! Keine Ahnung, was mit mir los ist. Ich bin echt fit hier geworden. Also im Gegensatz zu vorher… Also, ich kam dort endlich an, nachdem ich ca 4 km über eine Autobahn gegangen bin, weil es da ja keine Wege gibt. Aber es hat sich ausgezahlt. Der Freefall war echt genial! Das Video hab ich eh schon auf Facebook gestellt. Allerdings hab ich nachher gesabbert, wie unser Hund nach dem Saufen. Ich hoffe, das sieht man auf dem Foto nicht!!

 


 

Von dort brachte mich ein Shuttle nach Rainbow Springs, einem kleinen Zoo, hauptsächlich mit Vögeln und Reptilen und natürlich den nationalen Kiwis. Ich machte die Extra-Tour, bei der ich sogar einen Kiwi schlüpfen sehen konnte. Im Hostel selbst war bis dahin nur komische Leute untergebracht (Deutsche eben&hellip. Nach einem freundlichen „Hi“ meinerseits kam nur ein herablassender Blick und dann kein einziges Wort mehr. Kurz vor meiner Abreise wurde das Zimmer neu besetzt. Mit einem Typen aus Fürstenfeld! Und gleich darauf kam jemand aus Innsbruck. Bis dahin hatte ich nicht einen Österreicher hier in Neuseeland getroffen. Ein Kanadier kam auch noch dazu. Er war zwar echt nett, aber redete ununterbrochen. Als letzte bezog noch eine deutsche Pfarrerin / Priesterin das Zimmer, um mir als aller erstes zu sagen, dass sie Kiwis so lustig fände, weil ihr Schnabel wie ein Penis aussieht und mir dann von ihrer Affäre zu erzählen. Ich fand sie echt cool! 20 Minuten nach unserem ersten „Hallo“ machten wir uns bereits zusammen auf den Weg ins Polynesian Spa und saßen im heißen Wasser mit Blick Richtung Meer und betrachteten den Sonnenuntergang – echt ein unglaubliche Gefühl. Irgendwann drehte sich dann jemand zu uns um und begann einfach so mit uns zu reden und mir Geheimtipps fürs Reisen zu geben. In Österreich etwas Unvorstellbares. 

 

Alles in allem ließ ich über 400 Euro in Rotorua. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich so ziemlich alle Mitbringsel besorgt habe. Dort gibt es echt mindestens 20 Giftshops und ich schwöre, ich war jeden Tag dort drinnen. Manchmal bis zu 7 Mal in einem, um ja das Richtige für jeden zu finden! Noch dazu hab ich dort den besten Burger überhaupt gegessen mit Schinken, Speck, Ei, Steak, Salat, Ananas und Zwiebeln. Ich konnte nicht genug davon bekommen. Mal abgesehen davon habe ich mich jeden Tag von Fruchtsaft und Schokomilch ernährt. Eine Wohltat für meinen ganzen Körper! Es fühlte sich an, als wäre ich auf Entzug gewesen.

 


 

Auf meinem Heimweg musste ich wieder mit dem Bus fahren. Problem war nur, dass ich wieder einmal keine Ahnung hatte, wo die Station war. Ich stieg also irgendwo aus. Ich hatte mich ein wenig verschätzt. Der Bus hätte um 18:50 da sein sollen. Es war 18:18… Aso machte ich mich 25kg Gepäck auf dem Rücken auf den Weg nach Hause. Nicht lustig, denn gerade Straßen gibt es hier kaum. Irgendwann nach einer Ewigkeit hielt ein junger Mann aus Gisborne an und fragte mich, ob er mich mitnehmen soll. Ich war unendlich dankbar, denn ich war echt kaputt und noch dazu wurde es bald finster. Er nahm mich also mit. Das Problem war nur, dass bereits nach 200 Metern die Einfahrt zur Farm war… Mir war es extrem peinlich, aber er (weiß nicht mal mehr seinen Namen) nahm das ganz locker und fuhr mich sogar die Einfahrt hoch (1km lang – nur steil bergauf!) Gott soll ihm gnädig sein!

 

Vor ein paar Tagen waren wir mit drei anderen und vier Pferden schwimmen. Wir hatten also ein Pferd zu wenig. Aber das machte nichts. Petra und ich saßen einfach zu zweit auf einem Pferd oder ich hing mich hinten an den Schweif, während sie durch Wasser trabte. Es war echt herrlich. Ich hatte nur keine Ahnung, dass es so enden würde, hatte also keine Schwimmsachen mit. Also halt mal gleich so mit allen Kleidern rein ins Wasser. Am Schluss stoppte Petra nur zu schnell, ich krachte hinten ins Pferd und bekam einen Huftritt ab. Nein, mir ist nichts passiert. Nur eine aufgeplatzte Lippen trage ich jetzt als Kriegswunde.

 

Alles in allem bin ich froh, woanders zu sein, überhaupt weil Petra sich  angewöhnt hatte, das Internet abzuschalten. Immer in der Früh und am Abend. Genau zu den Zeiten, in denen ich skypen könnte. Und das ohne irgendeinen Grund oder eine Erklärung. Sie war auch nicht irgendwie unfreundlich zu mir – nicht mehr als sonst. Ich war kurz davor, ihr echt eine reinzuhauen, wenn sie wieder sagte, dass ich zu wenig arbeite und faul bin bzw nur schlafe. Ich arbeitete von halb sieben morgens bis meistens neun/zehn Uhr. Abendessen gab es sowieso erst um halb elf und selbst das fiel gegen Ende hin aus. Kein Internet, kein Essen, Beschimpfungen, dreckiges Haus  und trotzdem arbeitette ich den ganzen Tag. Mal ganz abgesehen davon, dass ich knapp drei Monaten in derselben Bettwäsche schlafen musste, weil es nur die gibt und ich damit auskommen musste… 

 

Jetzt war ich erst am Sortieren, was ich hier lasse und was ich mitnehmen kann, weil ich ja nur 20 kg für Inlandsflüge haben darf. Da meinte sie, mein Zimmer wäre nicht aufgeräumt und hat alle meine Sachen auf den in sich zusammenfallenden, extrem dreckigen Schrankboden geworfen. Einige meiner Sachen hab ich dann auch noch bei ihr im Zimmer gefunden, als ich die Wäsche gemacht habe. Und dann hat sie meine Insulinpumpe, nachdem ich sie nach dem Schwimmen abgenommen und ins Auto gelegt habe, einfach über den Zaun in der Einfahrt gehängt (natürlich ohne mir etwas davon zu sagen). Dort hing sie dann fast zwei ganze Tage. Hätte mich ihr Mitbewohner nicht zufällig drauf aufmerksam gemacht, hätte ich sie vermutlich immer noch nicht. Aber das wäre kein Problem gewesen. Ich hätte ihr einfach den Preis genannt bzw. gesagt, dass sie spätestens am nächsten Tag mindestens ein totes Pferd hat, wenn es darauf herumkaut…

 

Egal, irgendwann hab ich diese infantilen Machspielchen satt gehabt und bin gegangen. Zum Glück ist Von (Petras Mitbewohner) ein ganz lieber und ich konnte meinen Koffer bei ihm lassen. Auf jeden Fall bin ich jetzt in einem Hostel in Raglan bis Dienstag. Das hab ich mit 2 Liter Schokomilch und 3 Liter Fruchtsaft inklusive ein paar Kilo Obst gefeiert. Danach war mir so schlecht, dass ich mich nicht einmal bewegen konnte. Wie auch immer, heute habe ich zum ersten Mal ein richtiges Frühstück gegessen, das heißt, nicht nur Käsebrot, und zu Mittag Baked Beans mit einem Hühner Cordon Bleu. Ein wahres Gala-Essen für mich. Zusätzlich dazu hab ich noch genug von allem übrig. Inklusive Tomatensuppe, die ich heute Abend ausgiebig genießen werde. Nichtsdestotrotz habe ich auch ein paar Sachen gelernt...

 


 


 


 

Zwischendurch gab es sicher erzählenswerte Dinge, doch ich fürchte, ich habe das meiste verdrängt. Aber das macht nichts, denn das Wichtigste und Beste kommt erst noch. Nächste Woche geht’s los Richtung Auckland. Am 25. hab ich schon einen ganz besonderen Ausflug gebucht. Shark Diving. Darauf bin ich echt gespannt. Allerdings verlangen die eine ärztliche Bestätigung. Mal schauen, wo ich die herkriege. Ich werde es in Auckland wahrscheinlich zuerst mit Couchsurfing versuchen, sind ja nur ein paar Tage und schlimmer als es bis jetzt war kann es unmöglich werden. Und danach geht mein Abenteuer los. Zuerst Sydney (ab 28. für fünf Tage) und dann vier Wochen lang auf der Südinsel, ohne Stress, ohne Pferde, ohne Druck, einfach frei sein und mit dem Camper das Land erkunden. Ich freue mich schon riesig drauf. Und natürlich freue ich mich noch mehr, wenn ich endlich nach Hause komme. Der Flug ist bereits gebucht, Dank meinem Schatz, der auf mein Anliegen hin sofort im Reisebüro war. Am 6.3. komme ich zurück, leider wieder über Taipei, doch Hauptsache Heim…

 

 

4 Kommentare 17.1.16 08:34, kommentieren

Farmleben 1.0

Mittlerweile sind drei Wochen seit meiner Ankunft vergangen. Ich weiß noch nicht ganz, was ich von alle dem halten soll. Die Landschaft ist ein Traum, viel Platz, wundervolle Aussicht und die Kiwis sind extrem freundlich. Blöd nur, dass meine Gastmutter kein Kiwi, sondern gebürtige Schweizerin ist. Ich bin hier zusammen mit Melina, einer „Leidensgenossin“ aus Deutschland. Ich muss zugeben, ich bin ziemlich froh, dass wir uns alle auch auf Deutsch verständigen können, allerdings gibt es selbst dabei sprachliche Probleme. So reden wir alle darüber, was es bei uns zu Fasching zum Essen gibt und kommen erst 1,5 Stunden später drauf, dass wir eigentlich alle dasselbe meinen…

Petra, meine Gastmutter, ist ein sehr praktischer Mensch und nimmt alles gern selbst in die Hand. So erzählte sie uns mal von einem Eber, der plötzlich im Garten stand. Folgende Aussage stelle man sich nun in Schweizer-Deutsch vor: „Da hab ich meine Knarre genommen und ihn abgeknallt…“ Zufälligerweise fanden wir ein paar Stunden später ein Possum im Schuppen. Wortlos ging Petra ins Haus und kam mit einem Gewehr wieder, das sie mir in die Hand drückte. Ich nehme an, das ist eine der vielen Prüfungen, die man hier als Nicht-Kiwi bestehen muss, ein Possum schießen, Schafe scheren und alles mit einem Draht reparieren können. Ich kann nur sagen, dass ich Ersteres von meiner Liste streichen kann, auch wenn die Viecher ganz schön zäh sind und ich drei Schüsse in den Kopf (ich möchte ja jetzt nicht mit meiner Zielgenauigkeit prahlen&hellip gebraucht habe. Danach, wie das hier so üblich ist, wurde das Possum auch gleich ausgenommen und zerlegt, da wird nichts verschwendet.


Was die Pferde angeht, so kam ich am Anfang überhaupt nicht damit zurecht. Mir wurde alles gezeigt, vom Halfter Anlegen, bis hin zum Führen und richtigen Loben. Ich kam mir echt bescheuert vor. Hier kann man so ziemlich alles vergessen, was man bisher gelernt hat. Die Pferde darf man keinesfalls mit den Beinen beim Reiten berühren (versuch da mal anzutreiben!!!), außer sie machen etwas falsch, da werden alle Gutmütigkeiten über Bord geworfen. Nur ist hier auch zwischen falsch und nicht richtig zu unterscheiden. Aufrechtes reiten, Zügelführung und was ich mir in den letzten 15 Jahren noch so alles an Basiswissen angeeignet habe, ist hier ganz anders. Ich musste also bei Null anfangen. Auf jeden Fall hab ich fast zu heulen begonnen,  als ich am ersten Tag das Pferd nicht einmal dazu bewegen konnte, Schritt zu gehen. Stattdessen wurde ich von ihm gebissen. Aber es ist auch echt schwer, locker zu lassen, wenn neben dir eine wütende Petra steht und dich anbrüllt, dass du dich entspannen sollst…

Nun ja, mittlerweile geht es besser und ich komm ganz gut klar am Pferd. Mit der Bodenarbeit klappt es noch nicht so. Die Trainingsmethoden widerstreben mir manchmal und teilweise sind Petras Anweisungen paradox, sodass ich mich bis heute nicht auskenne, was ich eigentlich wirklich zu tun habe. Aber es funktioniert. Meistens. Die Ausritte sind dafür ein Hammer. Bis vor wenigen Tagen war es noch untypisch kalt, da hat man vier oder fünf Schichten angehabt, noch dazu geht hier der Wind sehr stark. Blöd nur, wenn man nur einen einzigen Pullover dabei hat. Um sieben Uhr morgens am Meer ist es nämlich ganz schön windig. Allerdings hatte ich nach dem ersten Tag schon einen Sonnenbrand. Inzwischen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, vom kurzen T-Shirt bis hin zu Bettsocken und Winterjacke alles bei mir zu haben. Das Wetter ändert sich hier nämlich irrsinnig schnell und noch dazu kommt man bei den Trekks ganz schön ins Schwitzen. Bei meinem ersten Farmride (ein Trek über die 20 ha große Farm, die nur aus steilen Hügeln besteht und bei dem man die Pferde führen muss) dachte ich schon, ich würde sterben. Nur jetzt versuch mal zu erklären, was ein „Lungenpotschn“ ist…  Aber dafür werde ich daheim zumindest sicherlich die Stufen in den zweiten Stock in die Wohnung ohne große Probleme erklimmen können.

Wir haben insgesamt 11 Pferde hier, zwei davon sind Wildpferde, der Rest wurde aus schlechter Haltung gerettet. So wurde bei einem z.B. durch einen Unfall die Wirbelsäule zusammengestaucht, sodass die einzelnen Wirbel hervorstanden. Ein anderes Pferd gewann knapp 700.000 Dollar bei einem Rennen, bis es ausgedient hatte und man es dermaßen vernachlässigte, dass die Abschwitzdecke mit der Haut verwachsen war. Wirklich reitbar sind nur sechs der elf Pferde, wobei die meisten Leute Probleme beim Reiten haben. Entweder gehen sie nicht weiter, bleiben nicht stehen oder haben die Pferde prinzipiell überhaupt nicht unter Kontrolle. Kann ich verstehen. Ich wäre am Anfang beim Farmride nicht mal selbst den Hügel hinunter gegangen, weil ich mir dachte, ich würde mich überschlagen und wenn ich am Gaul sitze, würden wir uns wahrscheinlich alle die Füße brechen. Allerdings ist es schon sehr cool, wenn man sich aufs Quad setzt und über die Farm düst, um die Pferde zu holen (nein, ich hab bis jetzt noch keinen Unfall gebaut!)


Einmal hatte ich ja fast einen Herzinfarkt, weil wir hier nur 40GB an Datenvolumen haben und am 15. bereits alles verbraucht war. Nur zwei Wochen ohne Skype geht gar nicht. Zum Glück konnten wir unlimitiert nachbestellen. Hätte ich Zeit, könnte ich jetzt sogar WoW zocken, aber es reicht ja, wenn ich mal an einem Samstag sechs Stunden lang mit meinem Freund telefoniere und teilweise nebenher noch Fenster putze und das Bad reinige…

Die beliebteste Frage, die immer an erster Stelle kommt: Wie ist das Essen in Neuseeland. Antwort: essbar. Wir machen uns das meiste selbst, weil wir ziemlich abgelegen wohnen. Brot backen wir selber, im Gemüsegarten ist alles, was wir brauchen und ansonsten wird alle drei Wochen ein Großeinkauf erledigt, sprich: 4 kg Butter, 2 kg Speck, 7 L Öl usw…Und da ist mir auch aufgefallen, dass die Kiwis sehr stolz auf ihr Land sein müssen. Überall steht Neuseeland drauf: "Made for NZ-sun", "New Zealand´s children and their favourite pets", "Kiwistamp" oder auch "New Zealand owned". Das würde man so wohl auh nirgends anders finden...(sollte ich vielleicht auch noch fotografisch festhalten...)

Nun eine Frage: Was ist schlimmer, als ein Wasser-Kakao? Ja, genau, Kakao mit Instant-Milchpulver! Das ist so dermaßen grauslich, ich hab bis jetzt keinen Kakao trinken können. Ich meine, wir haben hier Kühe, aber keine richtige Milch! Abgesehen davon gibt es hier fast alles in Pulverform, Verdünnungssaft, Joghurt, Salatdressings, Milch… Man glaubt es kaum. Dafür gibt es auch die Großpackungen Wein in Plastiktüten, von denen wir immer genug auf Lager haben müssen. Fisch gibt’s hier auch reichlich und zwar richtig guten!Oh und, übrigens haben wir hier auch frische Eier. Sie zu holen ist allerdings eine Herkulesaufgabe - wurde bereits von kampfwütigen Hühnern angegriffen (nicht lachen, ich hatte eine Fleischwunde deswegen! Man konnte sie sogar fast mit bloßem Auge erkennen!!!)

Wie gesagt, es ist hier echt verdammt schön. Nur muss man mit Petra auskommen, was nicht immer einfach ist. Einmal ist man extrem egoistisch und faul, im nächsten Moment total hilfsbereit und engagiert. Nachdem sie mir einmal ins Gesicht gesagt hat, dass ich nicht reiten kann und meine Pferde schlecht behandle, gab es einen riesigen Streit und ich war kurz davor, einfach zu gehen, weil das doch ein sehr sensibles Thema für mich ist. Allerdings raufen wir uns immer wieder zusammen und Melina und Petras Mitbewohner meinten, ich könnte noch am besten mit ihr umgehen. Nichtsdestotrotz habe ich mich entschieden, nicht so lange, wie ursprünglich geplant hier zu bleiben. Ab 15. Dezember bin ich nämlich alleine hier mit Petra und ich denke nicht, dass das gut gehen wird, weil ich mittlerweile keiner Konfrontation mehr aus dem Weg gehe und Durchhaltevermögen und Standhaftigkeit beweise. Das könnte ziemlich brenzlig werden.

In ein paar Wochen sollte mein Überlebenspaket mit, wie es hier genannt wird, Fressalien kommen (Dankeee!) Ich glaube, das kann ich sehr gut gebrauchen. Ab morgen sind wir 10 Tage lang fernab jeglicher Zivilisation am Exhibtion Bay, schlafen im Pferdeanhänger und müssen uns unser eigenes „Shit Place“ graben. Dafür soll es dort atemberaubend schön sein, weißer Sandstrand, türkises Meer und dann endlich auch mit den Pferden schwimmen.  Das heißt, ich kann mich in den nächsten zehn Tag bzw. bis 5. Oder  6. Dezember nicht melden. Ich versuche danach, mir öfter Zeit für den Blog zu nehmen, aber das ist leider gar nicht so einfach, weil wir meist um sechs Uhr früh aufstehen und erst zwischen neun und zehn Uhr abends essen.

So, ich hoffe, ich überlebe jetzt die zehn Tage. Petra wird echt von Stunde zu Stunde unausstehlicher, ich hoffe, das gibt sich, wenn wir wegfahren. Aber ich hab auch nicht wirklich Lust auf zehn Stunden Autofahrt. Also haltet mir die Daumen!

 

To be continued…


5 Kommentare 24.11.15 08:06, kommentieren

Ankunft in Raglan

Fotos vom letzten Eintrag müssten mittlerweile online sein.

 

Um 10 Uhr morgens musste ich also auschecken, war um sieben jedoch schon munter. Gleiches Spiel wie vorhin. Alle schliefen, ich musste auf. Nachdem ich mir beim Hinunterspringen alle zehn Zehen gebrochen hatte, machte ich mich fertig und besorgte SIM Karte und Bus Tickets nach Hamilton. Mit den anderen zwei Mitbewohnern unterhielt ich mich danach noch sehr gut, natürlich auf Englisch, bis ich herausfand, dass beide aus Deutschland kommen. Nach zehn Monaten in Neuseeland haben sie wohl ihre Mentalität schon irgendwie mitgenommen, denn bevor ich ging, schenkten sie mir noch ihren Lonely Planet.

Mit dem Taxi fuhr ich weiter zur Busstation, wo ich wieder einmal warten konnte. Ich hatte extra einen früheren Bus gebucht, obwohl ich bereits ein Ticket hatte, weil angeblich der nächste Bus von Hamilton nach Raglan schon um 3pm ging. Ein großer Stockbus brachte dann alle Passagiere – drei an der Zahl - nach Hamilton ins Transport Center. Dort angekommen gab es wieder mal Probleme mit dem Bus. Der ging nämlich nicht, wie man mir versprochen hatte, um drei, sondern um halb sechs. Ich musste also wieder warten. Vier Stunden. Als würde ich die letzte Zeit nicht eh schon nur mit Warten verbringen. Aber zumindest konnte ich ganz interessante Leute beobachten. Eine junge Frau zum Beispiel, die ein wenig mehr Speck um die Hüften hatte, dafür umso weniger Stoff am Körper, dazu weiße High-Heels, mit denen sie überhaupt nicht gehen konnte und einer Polizeimütze am Kopf. Ich versuchte bei dem Busunternehmen anzurufen, allerdings hob da niemand ab. Man stelle sich nun eine typische Touristin in Winterkleidung vor, während andere mit Sonnenhut und Flip-Flops umherliefen, verschlafen und verirrt dreinblickend zusammen mit zwei großen Koffern und zwei unnötig riesigen Taschen, die einsam und verlassen ganze vier Stunden am selben Platz hockt und nicht einmal aufs Klo geht, weil sie nicht weiß, was sie mit den Taschen machen soll. Irgendwann hab ich noch einmal angerufen, diesmal mit Erfolg. Ich musste nur meinen Namen sagen (komischerweise verlangte bis jetzt noch niemand meinen Nachnamen!) und wo ich abzuholen bin. Allerdings ist das Transport Center relativ groß, also hockte ich mich einfach irgendwo hin und hoffte inständig, dass der Bus auch hier stehen blieb. Keine zehn Minuten später (obwohl er erst in einer halben Stunde ankommen sollte) war er da.

Da kam s ein junger Mann mit Strohhut in einem alten, verrosteten Van angefahren. Ich dachte schon, er würde sich als Fahrer ausgeben und mich kidnappen, denn so eine alte Kiste beschäftigt sicher kein seriöses Unternehmen. Andererseits müsste dieser Kidnapper dann auch wirklich sehr blöd und seine Tarnung nicht wirklich gut überdacht haben. Auf jeden Fall halfen er und ein anderer, älterer Mann mir mit dem Gepäck. Später fand ich heraus, dass der ältere Herr kein Angestellter, sondern selbst Passagier war. Wir fuhren schließlich an die Seite und warteten, immerhin waren wir eine halbe Stunde zu früh dran. Die zwei Männer unterhielten sich, während ich meiner Gastmutter schrieb, wann ich ungefähr da sein würde. Und dann hörte ich plötzlich ein Schnarchen. Ja, genau, der Fahrer war eingeschlafen, während der andere noch seelenruhig weitersprach. Zuerst dachte ich, er scherzt, allerdings war der Fahrer wirklich eingeschlafen. Irgendwann wachte er wieder auf, sah auf die Uhr und meinte, jetzt könne er losfahren. Sein anderer Passagier merkte übrigens nichts von dem Schläfchen. Zu dritt ging es Richtung Te Uku, ein Dorf, bestehend aus drei Häusern, vor Raglan.

Ich merkte nun, dass alle Neuseeländer so locker in den Tag lebten und ganz entspannt und freundlich waren. Ohne Umschweife erzählte mir der Fahrer ich glaub, er hieß Jim, dass er am liebsten ein Hund sein würde. Er liebte es nämlich in der Sonne zu schlafen und wenn man ihm den Bauch krault. Vielleicht kennt jemand noch aus seiner Kindheit das Spiel mit den gelben und weißen Autos, bei dem man den anderen Spielern in die Seite boxen durfte, wenn man eben jene Autos zuerst erkannte. Nun, ich bekam gesagt, dass Neuseeländer das irrsinnig gern mit Schafen machten. Ich hatte auf der Strecke von Hamilton nach Te Uku bereits mehr Schafe gesehen, als sonst bis jetzt in meinem Leben. Vielleicht liegt es daran, dass vor jedem Haus mindestens 20 stehen. Sie sind hier genauso beliebt wie Katzen und Hunde. Außerdem hält man hier nicht viel von Zäunen. Die Kälber stehen meist direkt neben der Straße oder vor einem kleinen Vulkan, ohne irgendeine Abgrenzung oder Sicherung. Braucht man auch nicht. Steht eine Kuh auf der Straße, wartet man eben so lange, bis sie sich dazu erhebt, weiterzugehen. Allerdings kommt das nicht oft vor, denn der „motorway“ ist vergleichbar mit der Pinkafelder Hauptstraße an einem Sonntag…

Die Neuseeländer sind hier auch sehr flexibel. Der Fahrer bot mir gleich an, mich direkt zu meinem Ziel, anstatt zur nächsten Bushaltestelle zu bringen, während mir der andere Passagier von seinem Job als IT-Techniker erzählte und meinte, dass er immer nur fragte, ob die Kunden es nicht schon probiert hätten, ihr Handy an und auszuschalten. Mit einem Lächeln erklärte er, dass sich damit fast jedes Kundengespräch erledigen würde.

Auf jeden Fall, ich komme also bei der Farm an, werde erst einmal mit einer herzlichen Umarmung begrüßt und sehe dann knallgrüne Hügel, Weiden so weit das Auge reicht und natürlich jede Menge Schafe. Auf einem der höheren Hügel liegt das kleine Haus. Daran ist nichts Modernes, kein Betonbunker inmitten der Natur. Es ist ein schiefes Irgendwas, aus allem, was man eben so gefunden hat. Mit Terrasse, Kräuter- und Gemüsegarten und allem Drum und Dran. Und das Beste ist die Aussicht. Von hier aus kann man direkt auf den Raglan-Harbour und die umliegenden, wirklich riesigen Weideflächen sehen. Allerdings war die Sicht etwas begrenzt, weil ich erst gegen Abend ankam. Nach dem (sehr guten) Abendessen ging ich ins Bett und war tot. Die letzten Tage, so amüsant sie auch gewesen sein mochten, war die Hölle gewesen. Also entweder bleibe ich hier oder ich fahre mit dem Schiff zurück…

 

 

2 Kommentare 4.11.15 06:53, kommentieren

Kia Ora in Aotearoa

Puh, also in der Zwischenzeit hat sich einiges getan und ich hab viel zu erzählen. In Taipei hatte ich endlich meine Wohlfühloase gefunden. Strandliegen mit Steckdosen und WLAN, dazu ein paar Massagestände, was zu Essen in der Nähe und natürlich Klo und Duschen. Allerdings kann das alles nach 17 Stunden trotzdem sehr nervenaufreibend sein, zumal an Schlaf nicht zu denken war. Ich musste ja irgendwie auf mein Gepäck aufpassen. Zuerst gönnte ich mir eine Massage. Mal etwas entspannendes, nachdem sie mein Nacken nach dem ganzen Schleppen wie ein Stahlbrocken anfühlte. Tja, nur hatte ich nicht bedacht, dass das eine echte chinesische Massage sein würde. Mit Ellbogen und ganzem Körpereinsatz seitens der Masseurin. Danach war ich völlig fertig und mir tat alles weh. Ein paar Stunden später fühlte ich mich jedoch super entspannt, wenn man außer Acht lässt, dass ich eine Ewigkeit in der Embryonalstellung auf einer Strandliege verbracht hatte und das ziemlich auf den Rücken ging. Außerdem kam ich mir jedes Mal blöd vor, wenn ich zu einem der Stände ging und ein einziges Getränk mit der Kreditkarte bezahlte. Ein kleiner Tipp am Rande: bestellt euch niemals einen „frisch gepressten Orangensaft“ in Taipei. Ich habe noch nie in meinem Leben etwas getrunken, das weniger nach Orange geschmeckt hat…

 

Fast drei Stunden vor Abflug machte ich mich auf zum Gate, das, einmal gewusst, wo ich nachzusehen hatte, überraschend einfach zu finden war. Ich musste lachen, als ich den Warteraum sah, der komplett in Grün gehalten war und den man eingerichtet hatte, wie das Klettergehege der Affen in Schönbrunn, nur das eine riesige Stoffkatze, ein Bär und ein Hirsch dort standen. Eigentlich eine nette Idee. Und wieder wartete ich. Diesmal zum Glück nicht allzu lange. Kaum überraschend, dass ich einer der ersten beim Boarding war.


Die Passagiere waren nun nicht mehr so eintönig wie zu vor. Immer noch viel Shing-Shung, aber auch ein paar Deutsche und Amerikaner. Und eine Russin, die später im Flieger für einiges an Aufsehen sorgen würde. Zumindest hatte ich meinen begehrten fensternahen Gangplatz bekommen, was im Prinzip eh zu nichts war, weil die Fenster gleich noch vor Abflug geschlossen wurden.  Nun gut, das war ich ja mittlerweile gewohnt. Allerdings flogen wir diesmal mit einer anderen Maschine, die ein bisschen moderner war. Ich brauchte ganze fünf Stunden, bis ich die Anschlüsse für das Headset gefunden hatte. Wie man den Sitz verstellen kann, weiß ich bis jetzt noch nicht.

Auf jeden Fall rollten wir noch am Boden in die richtige Startposition, als plötzlich etwas quietschte und es danach klang, als wäre das Fahrgestell plötzlich zusammengebrochen. Es ruckelte und krachte immer wieder und ich saß mehr und mehr verkrampft in meinem Sitz, während sich die anderen  Passagere bereits in die aufliegende New York Times vertieft hatten oder schon längst schliefen. War ich die einzige, die etwas beunruhigt war? Als eine Durchsage ertönte, dachte ich schon, wir müssten aussteigen. Allerdings bekam ich es dann doch mit der Angst zu tun, als ich die Worte „ready“ und „take off“ vernahm. Da rutschte mir doch glatt ein nicht leises „Sad´s eich sicher?“ über die Lippen, genau in dem Moment, in dem es totenstill war. Die Stewardessen sahen mich ganz verwundert an und fragten, ob ich etwas benötigte. Nur das deutsche Pärchen ein paar Reihen vor mir, dürften mich verstanden haben. Während das Flugzeug schließlich beschleunigte, wartete ich nur darauf, dass irgendetwas passieren würde. Zum Glück schafften wir es ohne Probleme in die Luft, doch gerade als ich dabei war, mich ein wenig zu entspannen, gerieten wir nur Sekunden nach dem Start in ein Luftloch, was das ganze Flugzeug kurzzeitig durchrüttelte und das Personal auf Trab hielt. Danach war an Schlaf definitiv nicht mehr zu denken. Ich starrte also ins Leere, mittlerweile beherrsche ich das ganz gut, bis ich wieder einmal kurz davor war, einzuschlafen, als über mir angezeigt wurde, dass man sich nun anschnallen sollte. Das ging den ganzen Flug über so. Kaum war ich eingeschlafen, gerieten wir in Turbulenzen.

Um auf die ominöse Russin zurückzukommen: Ich hatte sie bereits beobachtet, als sie aufs WC ging, mit einer Hotpants und einem T-Shirt, unter dem man am besten BH und noch ein Oberteil trug. Sie hatte auf beides verzichtet. Allerdings ahnte ja niemand, dass sie sich irgendwann dazu entschloss, sich etwas anderes anzuziehen und sich dabei mitten am Gang zu entblößen. Ich dachte, ich seh nicht richtig, als sie sich seelenruhig umzog und sich von nichts stören ließ. Zum Glück erklärte ihr die Stewardess, dass das so nicht üblich sei und sie das doch bitte am WC erledigen soll. So etwas hatte ich wohl auch nicht erlebt. Aber es war amüsant, zu beobachten, wie die halb nackte Russin, die offensichtlich kein Wort Englisch oder gar chinesisch verstand, wild gestikulierend zu diskutieren begann.

Zum eigentlichen Flug zurück. Es war nicht ganz voll, weshalb einige den Vorteil hatten, drei oder vier Sitze für sich beanspruchen und ein Nickerchen halten zu können. Bei dem Mann neben mir befürchtete ich schon, dass man ihn im Leichenwagen aus dem Flugzeug bringen musste, denn bis auf die Mahlzeiten schlief er die ganzen 13 Stunden durch und bewegte sich kein Stück. 

Apropos: Das Essen war echt gut. Zweimal Obstsalat erwischt! Gut, vielleicht hatte ich ihn beim zweiten Mal einfach verlangt, aber er war wirklich gut. Nur brachte ich nicht viel hinunter. Ich denke, das lag an der Aufregung. Zu einer Mahlzeit gab es als Nachspeise Nuss-Irgendwas mit Reiswaffel-Keine-Ahnung-Was. Nach reiflicher Überlegung, ob es nun grauenvoll und völlig ungenießbar war oder es grenzgenial schmeckte, entschied ich mich für Letzteres.

Endlich kamen wir in „Sinni“, die chinesische Version von „Sydney“, an. Wir hatten weniger als eine Stunde Zeit, um den Flieger zu verlassen, ans andere Ende des Flughafens zu rennen, von irgendwo eine Transit-Boardcard zu holen, wieder zurückzulaufen, durch die australische (!) Gepäckskontrolle zu kommen und das richtige Gate zu finden. Durch geheimste Spionagetätigkeiten fand ich jemanden, der ebenfalls nach Auckland umsteigen musste und wich ihm nicht mehr von der Seite. Allerdings wurde ich am Klo abgehängt. Von allein fand ich zum Glück den Security Check und warf vorher noch alles weg, was irgendwie verdächtig war. Leider war ich nur so nervös, dass es aussah, als würde ich ein Attentat planen, was wahrscheinlich auch der Grund war, weshalb ich extra noch einmal durchsucht wurde. Vor lauter Nervosität gab ich Sachen von mir wie „There are needles drin!“ und „Why immer I?“ Natürlich haben sie bei mir nichts gefunden, allerdings dauerte die ganze Prozedur. Ich hatte nur noch zehn Minuten und keine Ahnung, wo mein Gate war. Ich erklärte dort also, dass mein Flieger auf keinen Fall ohne mich starten durfte. Hätte ich den Flug verpasst, hätte ich dort alle vermutlich in die Luft gesprengt. Letzteres sprach ich klugerweise nicht laut aus.

Mit Verspätung und völlig durchgeschwitzt vom Rennen kam ich am richtigen Gate an, wo noch alle Passagiere geduldig warteten. Ich stellte mich dazu, zunehmend nervös. Ich dachte schon, ich hätte den Flug wirklich verpasst und wartete nur darauf, dass mein Name aus den Lautsprechern ertönte. Letztendlich hatten wir nur eine Stunde Verspätung. Ich vermutete ja, dass da wirklich etwas zu Bruch ging am Flieger und die Reparatur so lange dauerte.  Aber zumindest hatte ich das Vergnügen, eine asiatische Frau in den 50er kennen zu lernen, die sich als weiße Rap-Oma ausgab…

Mein neuer Sitznachbar, Jerome, war ein richtiger Maori. Lange Haare, die hinten zusammengeflochten waren, beeindruckende Mokos, ein Kaliber von einem Mann und so liebenswürdig wie es nur ein echter Neuseeländer sein konnte. Er gab mir Tipps mit auf den Weg und erzählte mir von seiner Kultur. Ich saß nur da und stellte mir vor, wie wundervoll NZ sein musste. Kurz vor der Landung überfiel mich die Müdigkeit. Ich bekam meine Augen kaum noch auf und während des Landeanflugs nickte ich immer wieder ein. Nur kurz bekam ich Neuseeland von oben zu sehen und erkannte nun, dass es zurecht den Namen „Land der großen weißen Wolke“ trägt.

Als wir aufsetzten wurde ich dann emotional. Ich war endlich da. Mein Neuseeland. Der Moment, auf den ich so lange gewartet hatte, war endlich gekommen. Ich betrat zum ersten Mal neuseeländischen Boden. Auf dem Weg zum Gepäck ging ich durch Gänge, aus denen Vogelgezwitscher und- wie könnte es anders sein – Schafgeräusche schallten. Überall waren die prunkvoll verzierten Maori-Schnitzereien zu sehen. Samt Gepäck und meinem Maori, machte ich mich auf den Weg zur Security. Er wusste von meinen Sorgen um die Biosecurity und die Panik, nicht einreisen zu dürfen.  Von da an begann die Schwärmerei von Neuseeland aufs Neue. Irgendwann als wir am Schalter ankamen, wir warteten gut 1,5 Stunden und ich natürlich ohne Gepäckwagen, wurde es sehr emotional und zusammen mit 4 anderen Kiwis trällerten wir die Nationalhymne des Landes. Natürlich auf maorisch! Mit einem amüsanten Lächeln, wahrscheinlich glaubten sie, wir wären total besoffen, nahm man uns in Empfang. Der nette Herr hinter dem Schalter fing dann auch noch an, mit mir zu plaudern, über Österreich, meinen Flug usw. Und das obwohl hinter mir hunderte Chinesen ungeduldig warteten. Ihn störte das überhaupt nicht.

Wahrheitsgemäß beantwortete ich alle Fragen, gab sogar mein Tagebuch aus Ziegenleder am Schalter an. Danach wurde mein ganzer Koffer untersucht, während auch der uniformierte Zollbeamte mit mir plauderte. Selbst er hatte, laut seiner Aussage, noch nie so kaputte, aber lupenrein saubere Schuhe gesehen. Dann noch durch einen Scan und ich war frei. Meine größte Sorge hatte sich damit in Luft aufgelöst. Mit dem Shuttle ging es dann ins Hostel. Der Fahrer war übrigens sehr entspannt und nahm seinen Door-To-Door Service sehr ernst. Parkte er nicht wirklich 30 cm vor der Eingangstür eines Hotels! Ob da Halten und Parken verboten war oder Fußgängerwege eigentlich nicht befahren werden durften, war ihm relativ egal. Hauptsache, man kam direkt vor der Tür seines Ziels an.

Das Hostel war, nun ja, 8 m2, zwei Stockbetten, vier Personen, ein kleines Bad/WC und viel zu viel Gepäck. Einer meiner Mitbewohner ließ nicht viel von sich verlauten, die anderen zwei sollte ich erst am nächsten Morgen kennen lernen. Nach einer ausgiebigen Dusche, legte ich mich ins Bett und war tot. Um 9:30pm! Bis 3 Uhr morgens schlief ich durch. Dann musste ich aufs Klo. Eigentlich ja kein Problem, doch wenn man oben schlief und das Stockbett weder Treppe, noch sonst ein Hilfsmittel besaß, war es schwer, hinunter zu kommen, ohne alle aufzuwecken. Ich musste zuvor schon buchstäblich auf das Bett hinaufklettern, das noch dazu extrem laut war und ständig quietschte. Ich lag also da und überlegt 20 Minuten lang, wie ich es am besten anstellen konnte. Mir blieb jedoch nichts anderes übrig, als einfach zu springen.  Danach verschanzte ich mich mit dem Laptop auf dem Schoß am Klo. Ich würde nie wieder ins Bett kommen, ohne mir weh zu tun und alle aufzuwecken. Also erzählte ich inzwischen allen, dass es mir gut ging. Irgendwann war jedoch mein Akku leer und ohne Laptop, einfach so stundenlang am Klo zu hocken, war doch ziemlich langweilig. Und erbärmlich. Also hangelte ich mich doch wieder zurück ins Bett. Da draußen jedoch sowieso die Hölle los war und ganz Neuseeland zu dieser Zeit das Rugbyspiel verfolgte und in heller Aufregung war, war es halb so schlimm. Hätte nie gedacht, dass eine ganze Nation so verrückt nach einer Sportart sein kann. Aber Neuseeland ist eben anders…

Und damit das nicht alles zu viel auf einmal ist, folgt der andere Teil noch.

 

4 Kommentare 3.11.15 10:17, kommentieren

Welcome to Taipei(h)...


So, der große Tag ist da, ich hab kaum geschlafen, war gereizt und wahrscheinlich auch noch nie so nervös. Um 11 Uhr ging mein Flieger und beim Aufgeben vom Gepäck lief zum Glück alles gut. Um 9:30 wurde ich zunehmend unruhiger, weil ich mir einbildete, spät dran zu sein. Eltern, Großelter und natürlich mein Freund waren da, um sich noch mal zu verabschieden. Es ist ja doch ein halbes Jahr. Und obwohl ich solange darauf gewartet habe, ist doch auch ein wenig Wehmut dabei...Trotzdem blieb ich stark, meine Abenteuerlust und die Neugier auf das versprochene Paradies am anderen Ende der Welt waren einfach zu groß.

Ich stand also da, zum ersten mal allein am Flughafen und versuchte, ja nicht vom Weg abzuweichen, kein Klo-Besuch, kein Shopping, nur den Schildern nach, die mich zu meinem Gate führen würden. Mit Handgepäck, Laptop, Kamera, zwei Jacken und der Boardingcard, die ich zusammen mit meinem Reisepass krampfhaft umklammert hielt, irrte ich am Wiener Flughafen umher, das das richtige Gate zu finden. Dort angekommen bekam ich gleich mal den ersten Schock. Hunderte Asiaten hatten sich bereits vor dem Scan und der Kofferkontrolle versammelt. Von einer geordneten Reihe war da keine Spur. Endlich war ich an der Reihe, nahm Ring, Uhr und sonstigen Schmuck herunter und hoffte, dass mein Koffer voller Nadeln und Flüssigkeiten nicht Alarm schlagen würde. Tat er nicht. Ich hingegen schon.

Nachdem ich zuvor noch Glück gehabt hatte und eine  Familie eine hietzige Außeinandersetzung mit der Security geführt hatte, weil nur ein Gepäckstück erlaubt war und ich mit meinen zwei, noch dazu viel zu schweren Koffern durchkam, musste ich eben jetzt zur Kontrolle. Zuerst war es mein Gürtel gewesen, auf den ich zuvor noch gedacht, dann aber wieder darauf vergessen hatte, und dann mein Piercing, das für höchsten Aufruhr sorgte. Um die Nadeln und dem Insulin, mit dem ich vermutlich den ganzen Flughafen hätte umbringen können, scherte sich niemand, ein jeder wollte nur meinen Bauchnabel begutachten. Nachdem ich freundlicherweise darauf hingewiesen wurde, dass sich eben dieser bald entzünden würde, diskutierten sie den weiteren Verlauf meiner Kontrolle.

Wenn ich sage, dass ich bereits da wie ein Schwein geschwitzt habe, ist das nur eine Untertreibung.  Was, wenn sie mich nicht ausreisen lassen würden? Wenn ich gar nicht bis Neuseeland käme? Kurz bevor ich anfing, innerlich zu hyperventilieren, ließen sie mich dann doch durch. Wahrscheinlich auch nur, weil die Frau, die mich legalerweise begrapschen darf, von meinen Schweißflecken am Rücken etwas angewidert gewesen sein könnte. Etwas erleichtert kam ich also im Wartebereich an. Die erste Hürde hatte ich schon mal überwunden. Das Warten fühlte sich an, als wären es Stunden gewesen, aber eigentlich dauerte es nicht mal 30 Minuten.

Mit Wehmut und Vorfreude folgte ich einfach den Asiaten, stets kontrollierend, ob ich auch ja in den richtigen Flieger einstieg. Meine Hoffnungen auf einen fensternahen Gangplatz lösten sich in Luft auf, als ich meine "Heimat" für die nächsten 12 Stunden vorfand. Mittelgang... Aber vielleicht hatte ich auch zu viel verlangt. Immerhin konnte ich bei einer 2-3-2er Aufteilung der Sitze auch von der Mitte aus gut nach draußen sehen. Wären da nicht die scheinbar lichtscheuen Asiaten, die sofort, nachdem sie ihr Gepäck verstaut hatten, die Fenster verriegelten. Gut, na dann eben ohne Ausblick...

Irgendwann fiel mir auf, dass das gesamte Flugzeug inklusive Besatzungnur aus Asiaten bestand. Einziger Nicht-Asiate war somit ich. Blöd nur, wenn man neben einem alten, noch dazu laut schmatzenden Ehepaar sitzt und das Flugpersonal denkt, man sei das groß gewachsene adoptierte Kind, das sie gerade aus Österreich mit in ihre Heimat nehmen wollen. Nicht alle Stewardessen sprachen englisch oder trauten sich nicht dazu, weshalb es ganze neun Stunden dauerte, bis ich ihnen erfolgreich erklären konnte, dass ich nicht die Adoptivtochter der Frau neben mir war, die alle paar Sekunden gurgelähnliche Geräusche von sich gab, als würde sie jeden Moment den Löffel abgeben, und ich infolge dessen auch nur auf englisch oder wahlweise deutsch und spanisch mit ihnen kommunizieren konnte. Davor hatte ich keine Ahnung, ob die männliche Stewardess alle zwanzig Minuten vorbeikam und "Feuer!" oder "Bombe!" schrie oder einfach nur "Kaffee" oder "Tee". Wie sich herausstellte, war es wohl Letzteres.

Mit der Sprache hatte ich wirklich so meine Probleme. Abgesehen davon, dass man es nicht unterscheiden konnte, wann etwas auf chinesisch und wann etwas auf englisch gesagt wurde und ich zu Beginn schon einfach darauf hoffen musste, dass ich wirklich im richtigen Flugzeug saß, verstanden die Asiaten dort auch nicht wirklich viel von dem, was ich sagte. Jeder Sitz hatte zwar einen tollen Bildschirm mit allerlei toller Funktionen, Spiele, Musik, Filme (und nicht zu fassen, sogar einen Porno!), allerdings war die Grundeinstellung auf chinesisch, sodass ich nur da sitzen, die komischen Zeichen betrachten und mir ausmalen konnte, was sie wohl bedeuteten. Irgendwann fand ich heraus, dass es dazu auch eine Fernbedienung gibt (wer sieht denn schon beim Nachbarn unter dem Sitz danach?!). Problem gelöst. Naja, nicht ganz. Da stand jetzt zwar alles auf Englisch, doch ich kam nicht ganz damit zurecht, dass die Pfeiltasten nach oben und unten für links und rechts stehen und die Pfeiltasten nach lienks und rechts für oben und unten. Egal, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Wobei der Flug eigentlich teuer genug war.

 

Komisch war, das jeder einzelne eine kleine Thermoflasche mit hatte, die die Stewardessen im Minutentakt auffüllen durften. Ich überlege bis jetzt, ob die alle im Duty Free waren und sich die gleich Flaschen gekauft hatten...

Allerdings muss ich sagen, dass das Personal echt intelligent ist. Nach dem Essen, das beim ersten Mal richtig gut war, danach für europäische Geschmacksnerven jedoch eher als umstritten gilt, schalteten sie einfach das Licht aus. Angegessen und eh schon in dösiger Stimmung, war es innerhalb von Minuten mucks mäuschen still. Abgesehen von den schmatzend-rülpsenden Lauten neben mir. Ich war wieder einmal die einzige, die keinen Schlaf finden konnte. Kurz vor dem Abendessen (oder Frühstück?) wurde das Licht eingeschalten und schlagartig waren alle munter. Das Klo war wieder dauerbesetzt und vor lauter Sching-Schang und Niang-Niong mochte man seine eigenen Gedanken nicht mehr hören. Gespannt und schmunzelnd sah ich zu, wie ausnahmslos alle ihre servierten Brötchen mithilfe einer Gabel mit Butter schmierten. Jaja, die spinnen, die Asiaten. Das war zumindest meine Meinung, bis ich mein Essen serviert bekam. Ich versuchte es lange, viel zu lange mit dem Messer. Nachdem mich die Nacharn zu meiner rechten dann schon ebenfalls schmunzelnd beobachteten, wechselte ich beschämt zur Gabel...

 

Danach war Teezeit. Bevor nicht jeder Passagier mindestens zwei Becher Tee bekommen hatte, war an Ruhe nicht zu denken. Ich vermute ja, dass da Beruhigungstabletten untergemischt wurden, denn kaum waren die Lichter wieder aus, schliefen schon wieder alle. 

Ich hätte in der Zwischenzeit nur zu gern gewusst, ob es draußen Tag oder Nacht war, allerdings blieben die Fenster bis zur Ankunft in Taipei verdeckt. Ich machte mir einen Spaß und fragte eine der Stewardessen, wie spät es denn eigentlich sei. Sie sah mich ganz erschrocken an, als hätte ich soeben verkündet, eine Bombe unter meiner Jacke zu tragen. Sie entschuldigte sich kurz und kam nach wenigen Minuten mit der Info zurück, dass es acht Uhr morgens sei. Ihr könnt euch vorstellen, wie sie dreingeblickt hat, als ich verkündete, dass es in Österreich gerade acht war, wir uns jetzt aber irgendwo zwischen Mount Everest und Thailand befanden. Ganze vierzig Minuten hielt ich die ganze Besatzung mit meiner Frage auf Trab, bis man mir sagte, es sei in Taipei gerade zwei Uhr morgens. Damit lagen sie zwar genauso daneben, wie mit acht Uhr abends in Österreich, aber es war sehr amüsant, das ohnehin schon hohe gezwitscherder Chinesen hinter mir zu verfolgen.

Danach wollte ich eigentich weiter an meinem Blog schreiben, aber ich denke, dass mich die anderen Passagiere in unmittelbarer Umgebung dafür gehasst haben. Zum Schreiben brauche ich nun mal Licht und wenn die Fenster zu sind und es auch sonst dunkel ist, muss ich eben die zugegebenermaßen sehr helle Lampe über mir anschalten. Allerdings konnte keiner von denen englisch, geschweige denn deutsch, also sprach mich auch keiner an Nur meine Nachbarin (ich hatte bereits einen Tinitus!) ließ neben mir die üblichen undefinierbaren Geräusche und ab und zu ein leises Schnauben und Grunzen von sich (vielleicht hat sie aber auch nur geschlafen. Gestorben ist sie jedenfalls nicht, das hätte ich gehört!) 

 

Auf jeden Fall, kaum waren wir am Boden, schalteten alle ihre Handys ein und von überall vibrierte und summte es. Der Flieger hatte noch nicht einmal geparkt, waren schon alle aufgestanden und räumten hektisch ihr Gepäck aus den oberen Ablagen. Ich ließ mir Zeit, saß ganz ruhig da und wartete. Bei 17 Stunden Aufenthalt hatte ich sowieso nichts Besseres zu tun.

Da war ich also. Auf halbem Weg vor meinem Ziel. Sechs Uhr morgens Ortszeit. Auf dem Klo machte ich mich noch frisch, zum Glück hatte ich die Erfischungstücher mit! Danach ging es mit ganzem Handgepäck weiter. Ich suchte das Tourist Center, wollte ich doch die Stadtrundfahrt machen. Irgendwie hatte ich es wiedermal geschafft, bei den Diplomaten zu landen. Aber die waren echt nett und haben mich zum richtigen Schalter begleitet... Dort gleich Visum Beantragt, mit Fingerabdruck- und Augenscan. Und dann... leer. Alles leer, da war niemand! Ich versuchte den Anweisungen der Security zu folgen und kam endlich nach einer Stunde an. Zwar am falschen Terminal, aber das würde ich nach der Führung schon irgendwie hinbekommen. Ich meldete mich also an und fragte nach der Gepäckaufbewahrung, da auf der Broschüre stand, dass kein übermäßiges Gepäck mitgenommen werden darf. 

Nun gut, ich wurde über 17 Ecken irgendwo an den A... der Welt geschickt und kam beim asiatischen UPC an. Ich denke, da hat mich die Dame am Schalter falsch verstanden. Die Angestellten dort bemühten sich ja wirklich, aber keiner wusste wirklich, wo diese ominöse Gepäckaufbewahrung sein sollte. Schließlich gab ich es auf, erfand eine Ausrede, um dem Scham irgendwie zu entgehen und sagte die Busfahrt ab. Am Ende stand ich irgendwo und verpasste vielleicht noch meinen Flug - der geht übrigens um 23 Uhr...

Auf jeden Fall musste ich zum Terminal zwei, mit dem Skytrain dorthin. Irgendwann fand ich mich in der Personalabteilung wider, allerdings waren sie auch dort so nett und halfen mir aus dem Labyrinth. Ich dachte schon, ich wäre völlig falsch, weil da keine Menschenseele zu finden war. Ich schaffte es dann doch zu Terminal 2. Wo genau ich hin muss, weiß ich nicht. Auf der Boardingcard steht nämlich kein Gate. Nur der Sitzplatz... Tja, und jetzt sitze ich hier, in einem asiatischen Burgerking, mit einem Iced Tea (kein Eistee, sondern wirklich Iced Tea - grauenhaft!) und einem Reisburger. 14 Stunden muss ich noch irgendwie überbrücken. Noch dazu hat mir meine Gastmutter geschrieben, was ich denn für einen Bus gebucht habe, weil am Sonntag angeblich keiner geht. Wer weiß, was ich da schon wieder gefunden habe. Vermutlich ein Bus ins australische Hamilton. 


Bis dahin gibt es aber noch einige Hürden. Erstmal werd ich das Lokal wechseln. Ich komme mir erbämlich vor, 14 Stunden ganz allein an ein und demselben Platz in einem Restaurant zu sitzen. Und dann werd ich mich um kurz vor zehn in die Mitte des Terminals setzen und zu weinen beginnen, bis man mich bis zu meinem Platz im Flugzeug begleitet. Hoffentlich ohne schmatzende Chinesen. 

 

P.S.: Übrigens weiß ich bis jetzt noch nicht, ob es Taipei oder Taipeh heißt. Hier am Flughafen findet man immer eine andere Version davon.


 

3 Kommentare 30.10.15 02:49, kommentieren

Ich bin selbst seit gut 10 Jahren Diabetikerin. "Normale" Urlaube waren eigentlich nie ein Problem, weder am Flughafen noch im Urlaub selbst, allerdings ist es für "Frischlinge" und wenn es um einen größeren Urlaub geht, natürlich nicht so einfach. Deshalb hab ich beschlossen, auch dafür ein wenig unter die Arme zu greifen. Ich werde noch eine Packliste für Diabetiker zusammenstellen (Spritze und Pumpe) und ein paar Tipps und Tricks mit auf den Weg geben.

Beim Gepäck wie Platz und Gewicht natürlich immer sehr heikel und Dinge Katheter oder Desinfektionsmittel sind schwer und verbrauchen viel Platz. Auf Langstreckenflügen sind zwar meist bis zu 30kg Fluggepäck erlaubt, aber für ein halbes Jahr ist das schon sehr wenig. Wenn ihr nicht genau wisst, wie viele Gepäckstücke oder wie viel Kilo ihr mitnehmen dürft, einfach bei der Airline anrufen, die haben da ganz nette Mitarbeiter, die gerne Auskunft geben oder mn informiert sich über die Websites. Ich selbst habe einen Großen Koffer und einen Trekkingrucksack gewählt. Der Koffer eignet sich super für alle Diabetessachen. Sie sind gut geschützt und man kann die Katheterboxen auch gut stapeln, um Platz zu sparen. Wichtig ist, dass gespart wird, allerdings an der richtigen Stelle. Tupfer und zusätzlicher Alkohol sind überflüssig und da man im Handgepäck sowieso Nadeln für Pens bzw. Wechselzeug für die Pumpe braucht, kann es da zu schwierigkeiten bei der Security kommen. Nicht wegen er Nadeln, nein, wegen dem kleinen Fläschchen Desinfektionsmittel. Die Lösung dafür: Bereits fix fertige, in Alkohol getränkte Tupfer, die es in der Apotheke zu kaufen gibt. (100 Stück kosten da nicht einmal 5 Euro)

Ich würde zudem empfehlen, vorher auszurechnen, wie viel von allem man ungefähr braucht. Spritzt man sich ca 5-7 Mal am Tag, kann man ruhig 10 Nadeln/Tag rechnen. Wenn ihr in einer anderen Klima- oder Zeitzone seid, kann der Zucker schwanken und es dauert eine Weile, bis er sich wieder einpendelt. Nicht vergessen: auch für den Flug genug mitnehmen! Ich selbst hab bei meiner Airline angerufen (da kann ich China Air nur empfehlen!) und hab nachgefragt, ob das denn ein Problem ist. Ist es nicht. Man braucht lediglich die Bestätigung vom Arzt, was man alles dabei hat, ausdrucken, unterschreiben lassen und dann gibt es auch keine Probleme mehr.

Bedenkt, dass ihr das Insulin immer im Handgepäck mitführen müsst, im Fluggepäck kann es gefrieren und womöglich springen.

Pumpenträger müssen rechtzeitig vor Abflug eine Reservepumpe anfordern. Am besten bereits zwei Monate vorher. Einfach bei der jeweiligen Firma anrufen. Außerdem dürft ihr nicht vergessen, dass ihr mehr Katheter als sonst brauchen werdet, wenn ihr viel im Wasser seid oder arbeitet.

Die genaue Liste mit allen Sachen folgt noch

23.10.15 13:26, kommentieren